War was? Hab die beiden Tage im Zion Hotel mal ohne schreiben verbracht. Wieso? Weil ich’s konnte ![]()
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Wir haben die Tage auch nicht wirklich viel auf dem Zettel gehabt: Upper Antelope Canyon am 12. Tag und den Angels Landing Hike am 13. Aktuell sitze ich im Auto in Richtung Bryce Canyon und dann direkt weiter über Salt Lake City zum Yellowstone National Park, wo wir aber erst morgen einreiten. Wir versuchen heute so um die 700km zu fahren – mit Abstand die längste Autostrecke. Aber von vorn…
2016 waren wir im Lower Antelope Canyon und mussten dazu raus in die Wüste cruisen, der Eingang direkt hinter dem Navajo -Business -Tempel liegt. Diesmal bleiben wir in Page, denn zu Upper Canyon wird man hingefahren. Dazu haben die PickUp Trucks so umfunktioniert, dass hinten unterm Dach 12 Leute Platz haben. Das klingt erstmal viel, ist aber im Vergleich zum Lower Canyon eine Limitierung an Personen und da wir die Fleischflut von damals noch im Kopf hatten, hatten wir schon Hoffnung dass es nicht so voll wird. Im Vergleich war es auch wirklich nicht so voll, aber Bilder der einzelnen Kammern ohne Menschen drauf, haben wir nur unserer Guide-Dame, die Uschi, zu verdanken. Die war wirklich gut und hat für Ordnung gesorgt. Anders als beim Lower Canyon ist der Upper Canyon kein Rundgang, sondern eine Sackgasse. Dh Leute die rein gehen müssen den gleichen Weg wieder raus gehen. Da nichtsdestotrotz immernoch eine ordentliche Anzahl Freiwilliger durch den Canyon geschleust werden, bleibt es bei einem Mindestmaß an Organisation im Canyon… und wie schon gesagt Uschi hat uns den Weg nicht nur frei gemacht, sie sorgte auch lautstark dafür dass die Rückkehrer zum Eingang gefälligst weiter laufen, nicht nochmal anhalten und nochmal 50.000 Fotos von einem Raum machen, den sie 10 Minuten vorher eh schon exklusiv für sich hatten. Stichwort: Asiaten, waren wieder viele da und ohne Fotos scheint es bei denen nicht zu funktionieren, zumindest die, welche wir gesehen haben. So schieben wir uns also von Raum zu Raum. Uschi achtet darauf, das jeder mal ein Foto macht und sie selbst stellt sich auch als Fotoknipser für Gruppen & Pärchen zur Verfügung. Im Grunde genau dass was alle vom Canyon mitnehmen wollen: Erinnerungen. Von der Uhrzeit her hatten wir gefühlt auch genau die richtige Zeit ausgesucht, weil a) die Fleischflut an grenzdebilen Zombiehorden erst später aufwacht und sich zum Canyon begibt und b) die Sonne schon gut im Zenit stand, um uns die berühmten Sun-Beams im Canyon zu präsentieren. Uschi war auch immer mit einer Schippe bewaffnet, um zum Einen Sand in die Luft in einen Beam zu werfen, damit dieser richtig gut auf Bildern zu sehen ist und um zum Anderen im Zweifel einem grenzdebilen Zombie den gar aus zu machen, wenn er auf dem Weg zurück zum Ausgang nicht spurt. Das Uschi Erfahrung im Canyon mitbringt, muss man glaube nicht erwähnen, aber dass sie auch ein paar gute Tipps zum Knipsen im Canyon aus Ihrer Erfahrungskiste preisgibt, finde ich persönlich top. So kommt zumindest der Eindruck von Leidenschaft für den Canyon oder ihren Job rüber, auch wenn man weiß dass die Navajo Indianer mit diesen beiden (Upper & Lower Canyon) von der Natur gegebenen und staubtrockenen Felsen ein Schweinegeld pro Tag machen. Grob gerechnet schleusen die pro Canyon mindestens 1000 Leute am Tag durch und jeder zahlt mindestens 60$. Das sind mal eben 60.000$ pro Tag * 2 Canyons = ganz schön viel Asche für so nen Kack-Felsen im Sonnenschein…
Naja, den Aspekt völlig ausgeblendet geht’s weiter aus Page in Richtung Zion National Park. Kurzer halt am Glen Canyon Damm, der immerhin gewaltiger ist, als der Hoover Damm bei Vegas, aber bei weitem nicht so effizient ist. Vergleicht man Page und Vegas… muss er das auch nicht ![]()
Das Hotel im Springdale ist okay. Leider hat Booking.com nur 4 Personen angekündigt, weshalb wir noch ein Bett bestellen mussten beim Einchecken. Aber noch bevor wir im Zimmer waren, stand das Bett bezogen vor unserer Zimmertür. Während sich der Commander, Basti und unser Hamburger ein Poolbad gönnen. Fahren Stefan und ich kurz einkaufen. Für den Marsch auf den Angels Landing Hike brauchen wir noch Verpflegung, sprich PowerRiegel und Wasser. Auf dem Rückweg halten wir noch in so einem Ausstatter Laden an, die sicheres Equipment für die „Narrows“ vermieten. Sprich wasserfeste Socken und Schuhe, da man dort in der Schlucht auch durchs Wasser laufen muss. Gut dass wir da nochmal hin sind denn die gute Verkäuferin teilt uns mit, dass der Weg rauf zum Angels Landing gesperrt ist. Zum 11.6. diesen Jahres gab es im Zion wohl ein richtiges Unwetter, bei dem dort oben irgendwas zerstört wurde. Später werden wir noch erfahren, dass es an einem Tag (11.6.) so stark geregnet hat, dass der Fluss, der sonst mit einer Menge von 4 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließt, auf das 200-fache pro Sekunde angeschwollen ist. Naja… am Abend vor dem Hike war das ne richtige Arsch-Info. Hilft nix, wir mussten umplanen und zur Auswahl standen die besagten Narrows und der Observation Point. Beides gemeinsam ging nicht, bzw. war logistisch doof. Am Ende siegte der Observation Point, da er ähnlich wie Angels Landing den Blick ins Tal bot, nur von einem höheren Punkt, der über einen längeren Weg zu erreichen war – Angaben sprachen von 12km und 6h wandern. Das passt, also nochmal ab zum Pizza & Nudel Mann hier im Dorf um ordentlich Kohlenhydrate zu tanken. Gesagt getan, ordentlich rund gefuttert sacken wir dann nach einem Schlummerbierchen entspannt ins Bett. Der Hike geht ja auch früh los.
Der Wecker klingelt um 6 Uhr, duschen, frühstücken und ab geht’s. So gegen kurz vor 8 beginnt der Hike, nachdem ein Shuttelservice uns für Lau in den Park gefahren hat. An der Masse der Leute die an unserem Stop mit aussteigen, können wir schon erahnen, dass wir hier nicht so einsam unterwegs sein werden wir auf dem Weg zum Half Dome. Es ist schon richtig gut gefüllt als wir loslegen. Der Weg unterscheidet sich vom Half Dome Hike – es fehlt die Abwechslung. Direkt ab Beginn geht es im gewohnten Zick Zack bergauf, bergauf und ab und zu, nur ganz selten… bergauf. Nach der ersten halben Stunde sagen schon die überstreckten Waden bei mir Hallo!
geht’s noch?! Etwas weiter bergauf biegt dann der Weg in eine kleine Schlucht ein und wir können ein Gefühl dafür gewinnen, wie es in den Narrows aussehen könnte. Etwas beklemmend das Ganze, aber von hier oben ganz erträglich! Apropos erträglich, das Stück hier geht mal nicht bergauf
voll geil. Was wiederum weniger geil ist, ist die andere Seite des Berges nach diesem Stück. Es geht – oh Überraschung – bergauf, aber diesmal auf der Sonnen und Windschatten Seite des Lebens. Kleinere Bäche bilden sich und führen zum großen River der sich zwischen den Zwillingsbergen des Mount Popo mit jedem weiteren Schritt den Weg nach unten sucht… junge ist das hier „erwärmend“! Aber der Blick entschädigt etwas: steile Klippen, Vegetation und da – ungelogen – mein erster Kolibri, den ich je live gesehen hab. Dachte erst wasn das für ne riesen Hornisse und wieso macht das Vieh so ein Geräusch wie ne mit Steroiden vollgepumpte Muskel-Biene?! Als er dann für 2-3 Sekunden in der Luft stand konnte ich den Schnabel sehen… schwupps war er dann auch schon wieder weg, ehe ich irgendein Beweis machen konnte – Wurst, dann isses eben meine allein Erfahrung. Selbst David der neben mir Pause machte, konnte sich nicht so flott umdrehen. Vermutlich auch weil er mit Sahd sprach, einem US-Gaap Accountant (Buchhalter) aus der Gegend. Mit ihm sind wir ins Gespräch gekommen und er erzählte uns, dass auch wie in China die meisten Jobs nur 10(!!) Tage Urlaub im Jahr haben. Dazu kommen noch 3-4 Feiertage und das war’s. Als er von unserem 3 Wochen Trip hörte konnte er es nicht fassen. Erst recht nicht die durchschnittlich bis zu 30 Tagen und Feiertage die wir im Jahr haben. Er wüsste gar nicht, was er mit so viel Freizeit anfangen würde – das legt sich nach der ersten Erfahrung damit
wir reden ein bissi und laufen gemeinsam, als er dann auf ein sehr wichtiges Thema zu sprechen kommt… nee nicht Trump… Videogames
wir sind im Element und erzählen ihm wie wir uns kennengelernt haben. Find er alles spannend und erzählt uns dass er sich auf Red Dead Redemption 2 freut und ein Story-Trailer vor 2 Tagen rauskam… ja ja ja ja, warte ich auch schon sehnsüchtig drauf. Mit einem zwielichtigen, Colt- tragenden Cowboy durch den Wilden Westen reiten und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen
geil, gut dass ich vor dem Urlaub noch ne Woche Überstunden erarbeitet hab ![]()
Aber ich schweife ab, wir sind inzwischen am höchsten Punkt angekommen. Das letzte Stück im ZickZack war auch nochmal ganz besonders warm, schmal und lang. Der Weg in der Tat ist nicht ohne wenn man den Abhang hinunter schaut. Aber zwei Leute passen da schon entspannt aneinander vorbei… Angels Landing wäre gefährlicher gewesen. Oben das letzte Stück ist ein trockener Weg entlang der Vegetation auf einem Plateau. Sind nochmal gute 2km da oben in der Hitze. Die Sonne drückt hier wieder ordentlich und wir sind locker an der 30 Grad Marke im Laufe des Tages. Am Point angekommen, werden wir nicht enttäuscht! Angels Landing liegt auch tiefer und zu unseren Füßen. Auf dem Bild auch zu sehen, so ein ganz schmaler Kamm der sich in Richtung Tal zieht. Auf diesem schmalen Kamm – kaum breiter als ein Trampelpfad – hätten wir wandeln müssen, für den Blick ins Tal. Jetzt im Nachgang betrachtet, ist der Blick hier oben nicht nur Cooler, sondern auch entspannter erreichbar, ohne das man sich um Angst-Pipi sorgen machen muss. Der Andrang ist auch wirklich ordentlich da oben und die Fotos haben meist nur einen Hintergrund, das Tal. Wirklich geil! Aber man merkt schon das es hier eng wird. Die Anzahl der Hiker nimmt nicht ab und auf dem Weg nach unten kommen Sie uns trotz voran geschrittener Zeit in Scharen entgegen. Die Hitze drückt auch weiterhin und ich bin froh etwas mehr Wasser eingepackt zu haben auch wenn der Hike nicht so lange gedauert hat. Verglichen mit dem Half Dome sind diese Temperaturen hier nahezu im Bereich Körperverletzung. Auch unten im Tal angekommen wird’s nicht besser. Abkühlung schafft erst der leckerste Kiwi-Apfel Eistee den ich bisher trinken durfte. Eisgekühlt und fast zu kalt zum trinken, war dieser knappe 3/4 Liter die beste 1,80$ Investition in diesem Urlaub…okay… gleich nach Mac & Cheese ![]()
Nach der leckeren Pizza gestern, lassen wir diesen Tag beim örtlichen Burger König aus klingen, bei dem der Commander offiziell den leckersten Turkey-Burger der Reise schnabuliert hat und ihr wisst ja: wenn der Commander urteilt, stimmt’s ![]()
Wieder mit Bier und Rum-Cola lassen wir den Abend ausklingen. Alt sind wir heute alle nicht geworden. Diese Wanderung war die zweit schwerste der Reise. Weitere kommen nicht, auch im Yellowstone nicht, der als nächstes ansteht. Aber ehe wir da sind, haben wir noch die längste Autofahrt vor uns. Schlappe 700km mit Umweg über den Bryce Canyon – der letzte Canyon, bei dem es nackte Felsen zu bestaunen gibt
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Erkenntnis des Tages: das Schöne kommt irgendwie immer erst nach dem Schlimmen… verdrehte Welt in der ich leb ![]()