“6 inch, Chicken rosted italien style with cheddar cheese!” – Ein Sub geht immer! Auch am Morgen und irgendwie hat sich das hier zum Running Gag entwickelt. Die beiden Verkäufer Duzen uns sicher bald und zeigen uns Ihre Fotos von deren Familie&Kindern so vertraut sind wir inzwischen.

Die Tour gestern steckt uns noch in den Knochen, was uns aber nicht rasten lässt. Allerdings gehen wir heute getrennte Wege. Chris erfüllt sich einen Traum im Sillicon Valley bei Cisco Systems, Juniper Networks und Google. Über berufliche Wege und Connections ist er an eine Server-Führung – ich glaub so hat er’s genannt – gekommen und macht sich extrem früh auf nach San José… Chapeau der Herr!

Was auf Stefan und mich zukommt, wissen wir noch nicht. Wir wollen eine Foto-Tour durch Frisco machen. Erster Stop – Twin Peaks! Wie hinkommen? Der nette Concierge vom Hotel empfiehlt uns ein Ticket für die “Hop on, Hop off “ Busse zu nehmen, damit sind wir flexibel und können das auch gleich bei ihm kaufen – 50$ pro Nase! …ja, nee… Lass stecken, alternative? Ja gibt es Tageskarte Bus&Tram 18$ aber “das ist sehr verwirrend für Nicht-Einheimische”!

“Ist klar Locke!” denke ich und sage mit geschwollener Brust “No worries, this won’t be a problem for us!” Immerhin halte ich uns bis dahin für halbwegs intelligente Leute…

Mit dem Ticket in der Tasche und dem Plan in der Hand stehen wir dann an der Powell Station… Wo lang denn nu? Nachdem wir 30 min den Plan Studiert, zur Ubahn runter und dann doch wieder hoch sind, unzählige Minuten auf ne Ubahn Linie an der Bushaltestelle gewartet haben [Graue Buchstaben sind nämlich UBahn Linien im Underground Anm.d.Red.] findet Stefan die F-Line, eine Tram die die Market Street bis zum Fuße der Twin Peaks fährt.

Als wir aussteigen fühlen wir uns wie in einer anderen Stadt. Die Straßen sind nahezu leer, sauber und man sieht keine Obdachlosen. Die Häuser gepflegt und je höher wir den Berg erklimmen, desto breiter werden die Fenster mit Blick in Richtung San Francisco Downtown. Der Aufstieg und die Jungs – einer von beiden hat den anderen gewaltig unterschätzt… Wir kämpfen uns nach oben und das erste mal höre ich Stefan vor mir jammern. Ich fühle mich gleich 5 Jahre jünger und ignoriere dezent dass seine Fotoausrüstung auf dem Rücken gute 10kg wiegt – egal, er jammert und ich schwebe leicht wie ein Schmetterling die Stufen und Straßen hinauf. Zumindest noch für die nächsten 500m, dann geht auch mir die Puste aus. Kurze Rast, Blick nach hinten – wow, wir müssen zwingend nach ganz oben!

Gute 40 min später ist es geschafft – die Shirts sind durch und hier oben weht kaum ein Lüftchen. Wo ist die Kälte der letzten Tage hin? Es is richtig warm heute! Wir gehen zum Aussichtspunkt und mir Stockt der Atem – wie geil! Frisco liegt mir zu Füßen! In der Ferne sehe ich die Golden Gate & Alcatraz. Ich erkenne die Market Street die offensichtlich mit einem XXL-Messer in die Stadt geschnitten wurde. Die Strapazen haben sich gelohnt. Während Stefan sein Zeugs aufbaut und fleißig losknipsst steht meine Cam neben mir und zeichnet eine Zeitraffer auf, was mir die Zeit gibt, gemütlich auf der Mauer zu sitzen, die Sonne & den Blick aufzufressen. I feel good!

Nach gut 40 quält mich der Gedanke der Abstiegs… ich hab schlichtweg keine Lust wieder zu laufen. Wie der Zufall es so will, schnappe ich Deutsche Wort von einem Pärchen auf, das einzeln Fotos vor der großartigen Kulisse macht. Nett frage ich ob ich eins von beiden machen soll. So kommt man ins Gespräch. Beide wohnen in L.A. und sind hier für nen Ausflug und was viel geiler ist, sie fahren VW Golf und haben den auch hier oben. Als Missy uns fragt ob sie uns mit nach unten nehmen soll, zögern wir keine Sekunde. Rein ins Auto, Straße runter und wupps stehen wir in Height-Ashbury dem Schwulenviertel von Frisco was die beiden sich anschauen wollten – klasse… Nun ja, wir sind ja Weltmeister im Kartenlesen, weshalb schnell in einen Bus einsteigen und guggen wo er hinfährt – Richtung Market Street und die dann auch noch hoch und am Hotel vorbei! 🙂 besser geht’s nicht.

Es ist warm, nein es ist hot! Im Hotel erstmal die SunCream rausgeholt – schon zu spät: Nacken und Stirn wurden bei mir bereits gebrutzelt. Trotzdem wollen nochmal zur Brücke auf die Nordseite für Bilder mit der Stadt im Hintergrund. Da wir den Busplan langsam checken, geht die Fahrt recht flott und mein Knie dankt es mir. Es zickt wieder rum, aber ich lasse hier keine Kritik zu und ignoriere es. Der Weg über die Brücke ist schon ein Stück weniger spektakulär als gestern, aber die Aussichtsplattform holt einiges vom gestrigen WoW Effekt zurück. Kurzerhand klettern wir über die Absperrung und gehen, nein rutschen den kleinen Schotter Berg runter. Hier ist man ungestörter und Stefan knipst drauf los. Wieder halte ich inne und sauge diese Bilder auf, als gäbe es kein Morgen. Es ist einfach schön hier – Punkt! Ein flüchtiger Moment sagt mir, dass es der letzte Tag in Frisco ist und morgen das Abenteuer er richtig losgeht. Ich verdränge den Gedanken und schaue lieber noch ein paar Minuten auf den Pazifik…

Noch mehr verdränge ich den Gedanken, das ein Stechen im Knie mit jedem Schritt stärker wird, den ich von der Aussichtsplattform runter gehe. Exit-Strategie ab diesem Point! Ich will noch in den Yosemite! Ich muss mein Knie schonen! “Taaaxiiii!”

Abends humple ich dann mit beiden Jungs noch in einen Drugstore – Kühlpads fürs Knie… Das macht mir Angst und nervt mich gewaltig. Wieso jetzt? 😕 Auch dass die Jungs solidarisch mit mir durch die Stadt zurück humpeln und sichtlich ihren Spaß dabei haben, muntert mich nur bedingt auf… Aber schön bekloppt sah es schon aus! Wie drei Glöckner von Notre Dame in Frisco. Erschreckend nur, dass sowas hier die reinste Normalität ist 😉

Nun sitze ich hier. Ein Stück Schokokuchen aus der Cheesecake Factory soll mich trösten, während ich mein Knie kühle… Irgendwie klappt das nur bedingt. Entweder liegts an den Gedanken an Yosemite und dass es vielleicht nicht gehen wird, oder daran, dass der “Cheesecake” sich im Mund anfühlt, als ob ich in ein Stück Schokobutter beiße…

Erkenntnis des Tags: auch ein Phoenix aus der Asche kann ein humpelndes Handicap haben…

[USA 3. Tag]