Seit Tagen wache ich erst um 8 Uhr auf. Die Jungs pennen noch und ich fange an, meine Erinnerungen an die Höllentour festzuhalten. Jede kleine Bewegung erinnert mich an gestern. Der Tag heute soll entspannt werden, da wir im Grunde nur durchs Land cruisen. Zurück bis an den Pazifik nach Monterey und dann geht’s nach Süden, so nah an Los Angeles ran, wie möglich. Ein Hotel gibt’s noch nicht, wir warten, wohin und wie weit der Wind uns heute trägt. 9 Uhr die Jungs pennen immernoch, aber die ersten Lebenszeichen gab es schon. Wir lassens langsam angehen, obwohl Superman 1 und 2 offiziell keine Beschwerden angezeigt haben. Um 10.30 Uhr sind wir auf der Piste, das Best Western war ein tolles Hotel. In meinen Augen das modernste bisher. Nach dem Sub am Morgen gibt’s keinen Kummer und keine Sorgen. Die Sonne scheint, die Wolken haben sich seit Frisco nicht heraus getraut – 26 Grad, geil, auf geht’s! Chris fährt die erste Strecke. Einseitige Landschaft: Hügel an Hügel mit dichter gelben Grasdecke. Ab und an ein Baum als grüner Spot auf dem Sonnenteppich. Sieht irgendwie lustig aus – i like! 🙂 Es gibt am Vormittag immernoch nur ein Thema. Der Park gestern hat uns alle individuell geprägt. Das war ein Stück Lebensgeschichte, was wir alle drei dort geschrieben haben.

Kurzer Stop; Wasser kaufen. Als wir aussteigen trifft uns der Schlag – 34 Grad, krass! Wasser eingesackt, dazu ein Ben&Jerry’s ist ja immerhin Sommer in Bestform. Weiter geht’s nach Monterey über den moderat gefüllten Freeway und vorbei an den unzähligen zerfetzen Reifen am Straßenrand. Die müssen die Reifen hier runter fahren, bis es nicht mehr geht. 0,001mm Profil – da geht noch was!

14 Uhr, wieder ein Stück näher an der Küste – Temperatursturz – 24 Grad, angenehmer! 15 Uhr Monterey – 17 Grad. Meine Klamotten – kurz fluffig – es ist frisch, fast zu frisch. Wir schnappen uns ein Kaffee und zwei Bier, Stefan muss ja fahren 🙂 dann geht los zum Highway Nr. 1 der 350 Meilen von hier bis L.A. nur an der Küste entlang geht. Das Wetter wird leider mies. Kein Regen, Einheitsgrau von oben und Temperaturen um die 14 Grad – ich muss Klamotten wechseln. Der Weg ist wirklich geil. Auch wenn die Berge links die Wolken stauen und wir teilweise durch dicken Nebel fahren, die Küstenregion, die Felsformationen reißen es wieder raus. Stefan hat sichtlich Spaß, immerhin ein Ziel mehr auf der Liste erreicht. Wir bummeln etwas, lassen uns Zeit und nutzen die letzten Lux um die ein oder andere Klippe für die Ewigkeit einzufangen. Erst als es finster ist und wir wieder durch die Nacht düsen suchen wir uns ein Hotel – Trivago funzt auch hier wunderbar. Vom Auto aus den Goldenen Mittelweg zwischen Luxus-Suite und Loch 2.0 gefunden, gebucht und 50 min später im Bett gelegen. Der Mexikaner am Check In schaut etwas verwundert. Förmlich riecht man seine Neugier. “Poschdaaam? Where is it? Near of Amsterdam?” – eins, zwei Momente dauerts, bis ich verstehe was er will. “ No no, its in the near of Berlin!” – “Big City?” – “well, bigger than this!”, sage ich und deute mit dem Daumen über meine Schulter. “Hmm” sagt es und packt mit die Zimmerkarten auf den Tresen. Sichtlich verstimmt, vielleicht hätte ich den letzten Satz anderes formulieren sollen…

Egal wir kommen zur Ruhe, schauen nochmal die Videos von heute und gestern und ratzen ein.

Erkenntnis des Tages: die Attraktivität der Vegetation von Kalifornieren ist gemessen auf einer horizontalen West -Ost Verbindung proportional dem Reziproken der Temperaturentwicklung!

[USA 6. Tag]