Barstow – klein, Wüste, heiß. Schon morgens um 8 Uhr. Noch angenehm, aber die Klima-Wahrheit hat sich schonmal angekündigt. Wir bekommen ein Frühstück auf amerikanisch und richtig serviert, wie in einem Restaurant – nice! Schöner Start in den Tag: “One Stack of Pancakes for me!” Endlich mal Pancakes futtern mit Ahornsirup. Absolut süßes Zeug, aber lecker und genau das was ich brauche. Um den Zuckerschock vorzubeugen, esse ich noch ein herzhaftes Würstchen und Speckstreifen. Typisches Breakfest gibt’s auch für die Jungs – Eier & so eine Art Kartoffelrösties – das ganze inklusive und somit das beste Frühstück bis dato. Im amerikanischen Volkmund heißt es zwar: “One Sub a day, keeps the doctor away!” Aber heute wird mal verzichtet und wir beschränken uns auf den Buck nach dem Sub. Starbucks bisher immer eine rettende Insel zum wach werden oder … leer werden 😉 an der Stelle sei mal vermerkt, dass selbst in einem überfüllten Starbucks am Nachmittag kann man auf ein sauberes Klo gehen, ohne mit dem Würgereiz kämpfen zu müssen und am nächsten Tag die HerpesCreme auftragen zu müssen. Die Amis sind vielleicht nicht so reinlich, oder penibel wie Europäer, aber sie verstehen es die Klos so zu benutzen, dass der nächste nicht auf dem Absatz kehrt machen will. So zumindest mein bisheriger Eindruck von den öffentlichen Klos. Das ich jemals so von Klos schwärme, hätte ich auch nicht gedacht.

So weg vom Kachelbüro, rauf auf die Piste. 650km stehen heute an und zunächst geht’s ein Stück in das Mojave Naturschutzgebiet. Ein komplettes durchfahren ist zeitlich leider nicht drin, denn zum einen ruft der große Graben und zum anderen wollen wir da vor Sonnenuntergang einchecken. Die Mojave Wüste ist im Grunde auch nichts weiter als ein Gebiet voll Stein und Sand. Was jedoch nicht bedeutet, dass es weniger spektakulär ist. Die gewaltigen Steinbrocken sind schon kurios anzusehen. Berge voller Geröll und Steinen in allen Größen und Formen. Dann wieder eine Fläche voll mit Nichts und mitten drin – ein Brocken Stein. Wie kommt der hier hin? In Europa hätte man die letzte Eiszeit als Erklärung gehabt, aber hier? Die San-Andreas-Verwerfung und das verschieben von Tektonischen Platten? Rätsel über Rätsel – vielleicht lässt sich da später noch was ergooglen. Gott sei dank leben wir in 2016 🙂 wie haben die Menschen nur bis hier her überlebt ohne Google, Internet und einen Sub a day?

Mit neuen, trockenen Impressionen in der Tasche, fliegen wir weiter in Richtung Kingman, wo wir der Historischen Route 66 für genau 66 Meilen folgen – an der Stelle vielen Dank für den Tipp von Chris’ Dad 🙂 Mit der GoPro auf dem Dach für die Zeitrafferaufnahme ging’s ab über die Route. Einmal mehr Steine, Wüste und famose Bergformationen. Ein uriger Bikeshop stilecht mit einer Gruppe Harley-Fahrer davor, so um die 15 Bikes rundeten den Exkus genauso ab, wie der Weihnachtsmann auf der Goldwing 😃 einfach cool!

In Seligman war die historische Route für uns dann vorbei und jetzt gabs nur noch ein Ziel für heute – das nächste Highlight, das Grand Canyon Village. Ich male mir im Kopf die ganze Zeit aus, wie der erste Blick sein wird. Ich bin richtig aufgeregt, hibbelig wie ein Elektron kurz vor dem Sprung auf eine höhere Atomumlaufbahn. Der Nationalpark ist groß und der Canyon weiß es sich in Szene zu setzen und die Spannung anzuheizen. Die Mountain-Ranger haben wir passiert und fahren zunächst in ein Waldgebiet. Etwas trocken, dicht aber nicht zu vergleichen mit unseren Wäldern. Vor uns die Touris treiben uns mit ihrer Gelassenheit und Fahrgeschwindigkeit in den Wahnsinn – 5 Meilen unter soll, geht gar nicht. Zumal wir es eilig haben, denn einmal mehr fahren wir gegen die Zeit. Sonnenuntergang : 18.40 Uhr, wir sind nur eine Nacht hier und haben uns heute dafür extra beeilt. Huuuuuup! Das kann doch nicht sein, Rentner mitten auf der Straße bei untergehender Sonne, der wir entgegen fahren. Hat die das Leben satt? Das geht auch einfacher! Aber nein, zwei Meter weiter sehen wir wieso Granny da stand. Elche – Elchkühe um genau zu sein sind hier freilaufend, heimisch und offensichtlich zutraulich, da Granny bis auf 3 Meter an die grasenden Viecher heran schleicht. Selbst unser hupen stört die Elche nicht. Später in der Lobby lese ich noch das Elchbullen nicht zu unterschätzen seinen und man von aggressiven Verhalten ausgehen und deshalb strenge Vorsicht walten lassen solle. Der ganze Weg zur Lobby war mit Elchen hier und da bestückt – verrückt, damit habe ich Null gerechnet. Aber Elche gut und schön, deswegen bin ich nicht hier! Wo ist er? Wo ist der Canyon? Wie gesagt er setzt sich in Szene, man fährt in eine kleine Senke und muss zu Fuß ein paar Meter laufen, denn vom Auto ist dieser Blick – zumindest da wo wir sind, kaum zu sehen. Wir steigen aus, laufen hoch und plötzlich war da dieses Loch in der Erde, so weit das Auge sehen konnte – einfach so, riesig, gewaltig, imposant und spektakulär. Wir sind hier Grand Canyon, Arizona, USA – Nice! Für den Sonnenuntergang und das Farbenspiel haben wir noch ein paar Minuten Zeit, die Cam’s auszupacken. Gesagt, getan – Zeitraffer wie der Canyon sich schlafen legt läuft vor sich hin – Zeit für ein Sub, denn ein Sub geht immer, auch am Grand Canyon.

Leider wird es sehr schnell dunkel, wir treffen bei unserer Fotosession noch zwei junge Deutsche die seit 9 Wochen so eine Art Work&Travel machen. Sie sagen uns dass man für den Sonnenaufgang eigentlich einen anderen Punkt aufsuchen sollte, als wir ihn angepeilt haben. Wir beschließen den noch kurz abzuchecken, bevor wir ins Bett gehen.

Es ist dunkel, der Halbmond spendet ausreichend Licht, um den cirka 5 Meilen entfernten Yaki Point zu erreichen… Leider können wir nicht ganz hinfahren mit dem Auto. Verboten! Einen Ranger mit Disco-Blaulicht haben wir auf dem Weg bereits aktiv gesehen. Was solls – parken und laufen. Zum Point sind’s nur 1-2km das geht flott. Die Nacht ist super, die Sterne hell und flackernd. Wir sind mitten in der Pampa, keine Beleuchtung, nur die Natur, die uns Licht spendet. Ausreichend eigentliche. Der Wald ist in ein kaltes Blau getaucht und ich kann kaum erkennen, was hinter den ersten Baumlinien so los ist. Knack! Was war das? Plötzlich schießt mir die Infotafel aus der Lobby in den Kopf und der Coyote aus dem Yosemite. Gibt’s hier auch Bären? Meine Hose ist voll! Was für ne blöde Idee! Nachtwanderung zwischen der Elch-Mafia und weiß Gott was noch. Ich lege mir Abwehrstrategien für den Ernstfall zurecht. Irgendwas mit Körpergröße optisch vergrößern und immer einen Baum zwischen mich und das Vieh bringen… man bin ich bekloppt! Ich lenke mich ab und scherze mit den Jungs. Am View Point angekommen stockt mir nochmal der Atem. Der Canyon im seichten Mondschein. Die Cam’s kommen mit diesem schwachen Licht nicht zurecht. Das was ich sehe, bleibt meine persönliche Erinnerung. Etwas, was ich nicht teilen kann, obwohl es Anblick und die moderne Social Media Etikette verlangt… nö, das ist meins!

Erkenntnis des Tages: auch ein Loch im Boden kann faszinierend sein!

[USA 8. Tag]