Genau so chillig wie der Tag gestern ausklang, beginnt der heutige. Wir sitzen direkt 4 Meilen vor unserem Ziel im Hotel und müssen erst gegen 11.30 da sein, wir nutzen die Zeit effektiv und machen nichts. Stefan döst auf dem Bett, Chris schaut in seine Arbeitsmails – ja, so isser eben Worlds Most wanted Employee #1 – und ich sitze auf der Terrasse und schaue über das trockene Land gen Ferne. Dazu mein Spannerfernglas und M&M’s – Mint natürlich! Was uns erwartet wissen wir nicht so richtig. Den Foren im Internetz zufolge gibt es dort wohl eine kleine “Fleischflut”, also eine nicht unerhebliche Menge an Touris, die sich durch den Canyon pressen. Dabei ist das Wort Flut von der Region abgeleitet. Durch den Canyon gehen bei regelmäßig Springfluten [Antelope Creek = Sturzregen] durch. Durch die mitgespülten Steine und den Sand hat der Canyon auch seine heutige Form über Jahre hinweg erhalten…

Wir beginnen die begleitete Tour an einem Sammelpunkt mit Plumpsklo, welches ein faszinierendes Aroma über den gesamten Platz verbreitet. Meine Blase schreit “Jaaaa, bitte!”, Nase & Magen sagen “Oh, bitte nicht!” und das Herpes freut sich auf eine Wiedergeburt – Blase gewinnt. Mist Sonnenbrille nicht abgenommen, nur nicht runter schauen in den dunklen Metallschlund! Ja, Plumpsklo aus Metall – eigentlich gepflegter als manche deutsche Autobahntoilette, aber der Gestank geht gar nicht… Zwölf Uhr beginnt die Tour und wir laufen an einem Schild vorbei “GoPro’s not allowed” – na toll, dafür hab ich mir doch ne GoPro und Steady Cam geholt und jetzt nicht nutzen? Wo kein Kläger kein Beklagter denke ich mir. Chris filmt am Anfang frech und heimlich und als wir später merken, dass unser Guide ein nice guy ist, den das Filmen mehr als Wurst ist, halte ich drauf und bekomme atemberaubende Bilder und Kamerafahrten. Der Canyon an sich beginnt mit einem steilen Abhang mit rutschiger Treppe und Stau, weil wir eine Gruppe Chinesen vor uns haben und jeder einzelne ein Selfie brauch von jeder Stufe die es runter geht. Circa 50 Stufen à 20 Chinamänner und Frauen… wir haben Verspätung. Selbst der Nice Guy muss grinsen. Langsam quetscht sich die Chinaflut die Treppen runter und wir lernen eine Familie aus – jup Deutschland kurz vor der Schweizer Grenze. 80 Millionen gibt’s auf der Welt und überall sind wir verteilt 🙂 das schlimme, die Deutschen erkennt man immer an der Kleidung und der ganzen Erscheinung – wirklich! immer! Wie auch immer sie waren lustig und haben uns erklärt wieso der Antelope Canyon, Antelope Canyon heißt. Die Story war nicht ganz identisch mit der von Wikipedia, aber dass dort Antelopen gewesen sind und dass die ausgewaschenen Rundungen Ähnlichkeit mit den runden Höhnern der Antilopen haben. Nicht ganz die Wahrheit, aber mit Abstand schnieker als die wirkliche Story. Wie auch immer der Weg durch den Canyon war wirklich geil. Die Formen und Farben einfach fantastisch. Da wir im lower Canyon waren und nicht im Upper Canyon konnten wir leider nicht die Sunbeams sehen, wodurch der Antelope Canyon sooo berühmt geworden ist. Der Lower Canyon ist aber in sofern spannender, als dass er beklemmender ist und man mehr krachseln muss über Sand und Stein. Unser Guide war toll und taute mit der Zeit echt auf und zeigte uns Formen in den Gesteinen, so dass wir dachten, wir machen da unten eine Safari – wirklich geil 😃 wir haben einen Löwen gesehen, einen Wolf, nen Adler, ein Büffel, ein Bär, ein Röschen und sogar nen grinsenden Hai. Ne Frau im Wind und der überraschte Indianer-Häuptling rundeten die Tour ab. Für mich ein wirklich tolles Erlebnis. Das Metallklo, die stickige Luft unten im Canyon oder der von oben rieselnde Sand auf Kopf, Klamotte und Technik waren dabei Punkte die ich gern in Kauf genommen habe. Die Tour war cirka ne halbe Meile lang und dauerte dank Chinamann und Frau gute 1,5 Stunden. Wir klettern raus und die Wüste der Navajo Indianer begrüßt uns wieder mit nem Sandsturm mitten in die Fr… ins Gesicht. Bei der späteren Dusche, spüle ich mir nen halben Sandkasten von Kopf & Haut – richtig heftig! Die Eindrücke gesammelt geht es weiter nach Panguitch/ Utah, vorbei an einem 200m hohen Staudamm mit wackliger Brücke und weiteren unzähligen, eindrucksvollen Bergzügen, einen deutschen Bäcker [Bäckerei Forscher mit 40% Preisaufschlag für Importware] als Zwischenstopp, ewigen Landstrichen und mit dem Lineal gezogenen Straßen quer durch die Pampa. Brrr, Brrr – noch nie hab ich mich so über ein vibrieren in der Hose gefreut – wir haben wieder Netz, we are back in business, wir sind online – juppiiiiiii! Utah ich liebe Dich 😃

Wir sind wieder sehr nah an unserem morgigen Ziel und beschließen in Panguitch wieder amerikanisch Dinner zu futtern. Google spuckt eine sehr beliebte Burger-Bude aus die wir anpeilen – Chubby Burger in Hennrie’s Drive Inn – lecker! Aufm Rückweg gibt noch einen kräftigen Schauer, aber die Temperaturen – es ist hier so krass – sinken in den Keller. Im Antelope Canyon waren es noch 31 Grad, hier in Panguitch sind es 15 und für die frühen Morgenstunden werden sogar 3 Grad angesagt. Der Wahnsinn hier!

Ich freu mich auf den Bryce Canyon morgen. Wieder etwas wandern, wieder Natur ❤

Erkenntnis des Tages: egal was passiert, egal was von einem gedacht wird – versuche immer vor dem Chinamann in einen Canyon zu gehen…

[USA 10. Tag]