Tag der Kontroversen, oder man könnte auch sagen heute ist unser Welt-Support-Tag für Unterdrückung und Ausnutzung. SeaWorld Orlando steht an mit All You Can Eat Option Futtern bis zum umfallen. Wir sind gespaltener Meinung. Ist es Richtig diesen Park zu unterstützen? Die Diskussion will ich hier auch gar nicht eröffnen. Wir retten uns mit dem Gedanken, dass SeaWorld neben den ganzen negativ Berichten, auch eine Menge Geld für Tierorganisationen spendet und in einem undefinierten Maße und Umfang etwas für den Schutz und die Erforschung bestimmter Tierarten macht. Auf der anderen Seite ist Orlando ein Sammelsurium an Vergnügungsparks und sonst nichts. Es gibt hier tagsüber kein Plan B. SeaWorld, Disney und Universal sind die Platzhirsche neben 10 anderen kleineren Parks – that’s Orlando! Und noch so ein Tag wie gestern wollen wir nicht. Fest im Glauben das unser Geld ausschließlich für gute Zwecke ausgegeben wird, stürzen wir uns ins Getümmel. All You Can Eat – Single Cheeseburger mit Pommes zum Frühstück, runtergespült mit Cola ❤ Helloooooo America! Das Wetter ist gnadenlos wie gestern. Bereits um 11 Uhr – 30 Grad bei 65 Bazzillionen Prozent Luftfeuchtigkeit – bääh! Wir checken beim Essen erstmal die Lage und legen fest – erste Station: Arktis! Wir freuen uns, weil wir vom Weg schon wieder gut am transpirieren sind. Arktis klingt da sehr verlockend. Also rein und es wird die Tür von einer Lady in dicken Klamotten geöffnet. Juppi, denk ich mir, bis mir die kalte Wonne um die Nase wedelt. Bissi frisch! Wir werden wie eine Horde Fleischfresser in eine Art Zwischenraum gesperrt und hören etwas über Pinguine. Mir wird langsam kalt! Sind locker 15 Grad hier, mehr nicht. Ich will weiter! Tür bitte auf! Gedacht, gemacht das Tor zur Eishölle öffnet sich… Minus 3 Grad locker! Danke, hab genug – Tür zu! Denke ich und laufe weiter, während ich meinen Erpelparker anziehe… 280 Ingupine, wie ich sie früher immer nannte leben hier, wir sehen cirka 10% davon, mehr oder weniger agil. Die einen schläfrig eingemummelt, andere spritzig frisch rein ins Wasser und wieder raus. Da stehe ich im TShirt und 3/4 Hose, es stinkt nach Fisch und vermutlich Pinguin Kaka… Splash! So ein blöder ADHS-Pinguin kurvt vor mir rum und spritzt mich an. Noch so ein Ding und ich hab bald brandneue Pinguin Handschuhe, sage ich mir, mache ein paar Pics und dränge aufs weiter gehen. Kalt ist gut, arschkalt kann fett nach hinten losgehen. Sind immerhin noch 7 Tage. Der untere Bereich ist wieder ein Transit Bereich in die 15 Grad warme Region. Wenigstens haben sie mitgedacht und “Gewöhnungsbereiche” integriert. Im Unteren Bereich gibt’s Ingupine von unten zu sehen. Nichts was ich nicht schon kenne.

Die Uhr sagt fast 12 Uhr, Start für DIE Nummer, durch die SeaWorld bekannt geworden ist. Wir sind recht früh im Orca Theater. Haben recht gute Plätze bekommen, vor uns sitzen nur zwei Omis – Thelma & Louise. Es ist auffällig, dass der gesamte Park behinderten gerecht gebaut ist und das auch intensiv genutzt wird. Kurz noch ne Warnung für die ersten 15 Sitzreihen, der Splash Zone. Man wird dort wohl nicht nur wet, sondern very very wet. Einige Mütter mit Kind ignorieren die Warnung. Eiskaltes Salzwasser lässt sie später als erstes flüchten. Nach ein paar pathetischen Filmchen geht die Show los. Der erste Orca der zu sehen ist, springt in einer Schraubbewegung aus dem Wasser. Die Blagen brüllen vor Freude, die Eltern jubeln Beifall. Selbst Thelma & Louise reißt es aus den Sitzen und meine GoPro zeichnet spontan größere Omi-Popos auf – Jubel kommt bei mir auf… die Cam packe ich weg. Thelma ist absolut verrückt nach den Viechern und springt hin und her auf dem Sitz, als wäre sie wieder blutjunge 50… egal, ich schaue die Show und die Wale an. Irgendwie will der amerikanische Begeisterungsfunke nicht überspringen. Ich bin erschrocken und fast schon entsetzt wie sehr die auf zwei Dinge ausgelegt ist: 1) Hier gibt’s Spaß und ne heile Welt und 2) je nasser die Splashzone wird desto lauter wird es dank bespaßter Kacker zwischen 2 und 14 Jahren. Mich nervt das Dauergrinsen der Trainer, das zwanghaft Gute Laune verbreiten und die vorgetäuschte heile Welt. Man möchte meinen, dass niemand im Saal an die beiden toten Trainer mehr denkt und keinem auffällt dass keiner der Trainer mehr ins Wasser geht wie früher…gespielte heile Welt und der ganze Saal macht mit. Für die kleinen Kröten geht es zunehmend nur ums am meisten nass werden, so zumindest mein Gefühl. Die Show ist wie gedacht, Orca hüpft links, Orca hüpft rechts, Bauchklatscher da und zur Schau stellen aus dem Wasser dort. Bei jeder Leistung ne halbe Tonne Fische in den Schlund and thats it. Ich verlasse die Show mit einem seltsamen Feeling was ich bis jetzt kaum in Worte fassen kann. In Gedanken versunken darüber, was ich gerade gesehen habe lausche ich einer musikalischen Dauerschleife. Das muss die subtile Art sein, den Amis zu sagen:” Hey Moppel, nimm mal nicht den Burger, nimm nen Apfel!” Chris und ich realisieren erst nach 2 Minuten was das für ne Schleife ist. Immer die gleichen 4 Töne und ein Kerl der dazu äußerst bescheiden singt: Fruitsalad – Yummy! – Yummy!

Im Dauer 4/4 Takt… subtile Gehirnwäsche – Mittagszeit, erstmal n’ Burger mit Pommes & Coke. Für Chris & Stefan gibt’s Fruitsalad 😃 Der “verfeinert” ist mit Feta-Käse. Was lecker klingt, muss nicht lecker schmecken und schon gar nicht lecker riechen. Beide popeln mit der Gabel im Salat rum, bevor die Hälfte in den Müll fliegt – widerlichst! Danach brauchen wir erstmal ne Abkühlung. Ein Gehege mit nem Walross und anderen weißen Walen, die nach unserem Geschmack in einem sehr kleinem Becken ihre Kreise ziehen. Ich hoffe, dass sie noch mehr Platz haben in einem nicht sichtbaren Bereich.

Jetzt hat Chris die Nase voll und will in eine der Achterbahnen. Mutig und voller Kraft sage ich zu – die sehen ja alle nicht so hoch aus, das wird schon. Auf halben Warteweg sehe ich ein Werbevideo der Bahn, für die ich gerade anstehe. 60m hoch und 70mph schnell! Der schnellste Ritt in ganz Orlando – ich muss bekloppt sein! Chris ist am Dauergrinsen und freut sich. Ich male mir nur einen Plan B für die Wechselhose aus. Die lange Schlange, die Hitze und der fehlende Wind sind nicht förderlich. Wir steigen ein, die Post geht ab. Der Aufstieg ist so steil, ich sehe nur Wolken. Ich hatte den Eindruck fast hätte ich sie anfassen können… fast, denn dann kippt der Spaß und Ernst kommt. Genau so steil wie es hoch ging, geht es runter… ach Quatsch, das ist noch steiler, freier Fall in den Tod! Meine Beine, alles ist taub. Wumms erste Kurve, Blut schießt wieder in die Beine. Ich hab ein Affenzahn drauf. Kurzer Hügel, dann direkt wieder runter links rechts – mein letztes Stündlein hat geschlagen! Zwischenzeitlich immer wieder völlig losgelöst von meiner Erde, kralle ich mich in das Ding was mich in den Sitz drücken und halten soll. Ich glaube ich habe dem Teil mein Krallspuren auf Ewig verpasst – massives Hartplastik. Jetzt noch ein Korkenzieher und ich bin raus. Zitternde Hände, weiche Knie – survived und raus! Ich hasse Achterbahnen, ab heute offiziell und in alle Ewigkeit!

Nachdem wieder Blut in Hirn und Bein ist, ist unsere Zeit auch schon fast rum. Wir schauen noch ein paar Haie an und gehen zum Delfinarium und das war’s. 105$ pro Nase, ein Tag Unterhaltung und Futter ohne Ende und ein Gefühl dass die Becken viel größer sein sollten. Biologen sind wir alle nicht und messen mir unseren subjektiven Standards und für meinen Standard, hoffe ich sehr, das einige Becken größer sind, als wir sehen konnten.

Ab ins Hotel, Bierchen und Obst geschnitten zum Abendbrot und noch ein bissl gequatscht und diskutiert…kontroverser Tag…

Erkenntnis des Tages: Amis sind komisch, einfach nur anders, ignorant, oder unglaublich kurzsichtig & egozentrisch… ich hoffe auf 1) oder 2)

[USA 15. Tag]