7.00 Uhr der Wecker klingelt… Lass mich! 7.10 Ring Ring erneut – ich will nicht! Ich will in einem richtigen Bett liegen, wo man nicht versinkt, wo nach 5 minuten nicht das Kreuz weh tut. Ich will ausschlafen. Ich bin nörgelig! Der Urlaub seit Orlando schlaucht, das drückende Dauerwetter aus Sauna und heißer Fönluft, trübt die Stimmung und Laune hier irgendwas entdecken zu wollen. Das ist schade, denn Florida hat sicherlich auch seine schönen Fleckchen mit den Wow-Effekten. Vielleicht sind wir aber einfach nur vom Westen verwöhnt worden und hatten 2 Wochen zu viel zu sehen bekommen. Möglich ist alles…

Das beste draus machen, ich schäle mich ausm Bett und sitze im Handumdrehen beim Frühstück. So früh… mehr als ein Muffin geht nicht. Das Frühstück vom Hotel ist auch mehr Europäisch als amerikanisch – der Westen bot weniger, aber mehr typisches denke ich und kann mir die ständigen Vergleiche nicht verkneifen.

Auf geht’s, 270 km Inselkette nach Key West. Wir freuen uns schon ein bissl auf die Fahrt. Der Weg soll toll sein und ein wenig Karibikfeeling erhoffen wir uns. Immerhin liegen die Keys direkt im Golf von Mexico, näher an der Karibik geht vom Festland aus nicht. Ab auf den Highway Nummer 1 – 140 Meilen nur gerade aus! Es passiert eine Weile nicht, die Landschaft nach Miami gleicht den Everglades. Flaches, großes Nichts mit ein paar Seen darin. Es dauert eine Weile die Vegetation schlägt ein wenig um und wir bekommen mehr Palmen zu sehen, es vergeht noch mehr Zeit als wir das erste Bild unserer Vorstellung sehen – Straße in der Mitte, links Meer, rechts Meer. Unser Land unter den Rädern sieht imposant aus und schwingt sich von einer Insel zur nächsten. Das hat schon was. Aber ehe wir uns versehen, sind wir schon auf der nächsten Insel und was wir nicht dachten, die Inseln sind alle restlos mit Villen zugepflastert und man sieht nichts. Man hat nicht das Gefühl, als fahre man über schmale Inselketten. Häuser, Bäume (Laub, keine Palmen) dicht an dicht. Nur ab und an lässt eine kleine Lücke den Blick auf das Dahinter durch, was ein erahnen möglich macht, wo man sich gerade befindet. Laden an Laden, Haus an Baum, nur die Brücken, welche die Inseln verbinden lassen uns einen freien Blick, der aber zugegeben auch bald den Wow-Effekt verliert. Am Ende ist es doch nur mehr mit einem Betonweg darüber. Das Wasser wenn man es sieht, ist flach, seicht man kann den Boden sehen und ein wenig von der Struktur, was ich sehr wenig sehe sind Strandabschnitte. Ich dachte mir hier und da gibt es mal einen Sandstrand, wo Leute baden oder wo man anhalten könnte und unter ner Palme rasten kann, aber nee kaum bis eher gar nicht. Die coolsten Flecke sind im Besitz von Typen die mein Jahresbrutto, also monatliche Zinsen einstreichen. Ich finds schade! Meine Vorstellung vom Weg ist kaum erfüllt wurden, so Mega schön wie beschrieben ist der Weg für mich nicht. Nach guten 3 Stunden weg kommen wir auf der Finalen Insel an. Enge Straßen, weiße Holzhäuser mit einem Stich von kubanischem Einfluss kennzeichnen die Wege hier. Hähne und Hühner laufen hier frei auf der Straße das muss so denk ich mir, aber die Hähne sollten mal was an ihrer inneren Uhr tun. es ist Mittags und die melden sich mit morgen Gruß 😃 Schon ein idyllisches Dorf hier, damit 19 Quadratkilometer gerade mal ein Zehntel so groß ist, wie meine Heimat Potsdam. Wie auch immer nach 3 Stunden Fahrt, meldet sich was und die Natur verlangt Tribut. Auf eines ist im Ami Land verlass, des gibt’s überall! 6 inch, Chicken rosted italien Style mit Cheddar! 3 Mal gibt’s das hier sogar. Gestärkt beschließen wir in Richtung Park/ Strand zu gehen, als es etwas tröpfelt und Chris von hinten ein verdächtiges Rauschen bemerkt – Wolkenbruch zum angucken! Wir retten uns in die Key West Post Station und warten den Regenguss ab – noch feuchter, noch drückender – Florida um diese Jahreszeit, fürchterlich! Wir gehen ein wenig in Richtung Strand und Park kommen an typischen Häusern vorbei – Truman Annex – ob hier die ganzen Army Leute vom Fort Zachary Talor wohnen, das seit 1845 hier steht? Kein Plan, das nachforschen ist mir auch zu mühsam, denn die Suppe rennt. Wolkenbruch am ganzen Körper und das beim halben Weg zum Strand. Wir sind alle leicht angepikst bisher. Wir schieben uns durch eine Baustelle mit Blick auf Bauzaun und Baugerät und stoppen vor einem Häuschen mit Ranger. Wer zum Strand will, muss zahlen! Auto 7,50, Walkers 2,50 – ach und bitte Walkers mit Auto in einer Reihe anstellen. Da stehen sie 3 angepikste Schwitze-Helden in der prallen Sonne hinterm Pick-Up mit extra warmen und extra dickem Auspuffrohr. Ranger kassiert ab und wir gehen weiter in Richtung Strand. Eine Kurve noch ne Kurve, Nadelwald, Kienäpfelchen und Nadeln am Boden, Meer in Sicht! Wir gehen durch ein kleinen Waldstreifen zum Sandstrand… oder nein, zum Sandstreifen mit Nadeln bedeckt. Der Blick aufs Meer – ja nice, aber wo ist der Strand? Wo sind Palmen und meine Karibikhoffnung? Die Antwort: nirgends! Der Strand wir später noch etwas breiter, aber den schönsten Strand hat sich das Fort gekrallt, welches direkt daneben liegt. Der Strand an sich ist super kurz und geht schnell in einen Felswall über der sich die Küste nach Norden schlängelt… wir verbringen unsere Zeit dort am Strand bis wir herb enttäuscht von dannen ziehen und uns den Weg zurück zum Auto schwitzen. Das spannendste auf dem Rückweg: freilaufende Leguane in Massen. Das spaßigste daran – scheuch den Leguan 😃 die sind flott die Biester und deren Laufstil sucht seines Gleichen.

Wir sind sowas von durch! Shirt, Hose und mehr alles ekelig, alles klebt wieder als wir am Auto ankommen. Es ist inzwischen 17 Uhr und wir denken an die Rückfahrt. Sonnenuntergang auf Key West? Hier gibt’s kaum Strand und keine Palmen, der Sonnenuntergang in der Nordsee bietet das gleiche, zu besseren Konditionen. Ja, wir sind leidlich und sicher entgeht uns hier das ein oder andere. Ein Grund mehr, Florida nochmal zu einer anderen Zeit zu besuchen. Überhaupt gibt es in Amerika noch viel was zu sehen ist, das letzte mal waren wir hier nicht, so viel steht fest. Auch ist es genau das Thema, was die Autofahrt geprägt hat. Wo kann man nochmal hin, wofür muss man mehr Zeit einplanen. Der Urlaub neigt sich dem Ende und schon jetzt wissen wir, die highlights haben wir gesehen, viel kommt jetzt nicht mehr. Wir halten auf dem Rückweg nochmal an, knipsen den Sonnenuntergang vor halbwegs karibischer Kulisse und machen in einem Denny’s halt zum Abendbrot – Natchos mit Käse, wieder ein Traum und ein Haken mehr auf meiner kulinarischen Fast Food Liste. Fehlen noch Makkaroni & Cheese, aber das bekomm ich auch noch hin. Um 23 Uhr sind wir dann wieder in Miami und Stefan hat noch die Chance die Skyline erneut mit letzter Batteriekraft zu knipsen. Ein Apple Pale Ale besiegelt den Abend und wir kippen nach einer Dusche ins Bett…

Erkenntnis des Tages: je höher die Hoffnung geschraubt ist, desto tiefer sitzt die Enttäuschung, die am Ende sogar das Gesamtbild ungerechtfertigt verzerren kann.

[USA 18. Tag]