Die letzten beiden Tage verliefen nahezu identisch. Wir sind komatös im Tiefurlaub. In Swaheli würde man das ganze in zwei Worten beschreiben können „Kula & Kulala“ – Essen & Schlafen. Wir wachen wie ein Uhrwerk um kurz nach 7 auf, sind gegen 8 beim Essen und pennen kurz vor 9 auf der Liege, gegen 10 Poolbar und erstes Zisch vom Poolwasser auf der heißen Haut, dann Kulala bis halb eins. Es folgt der schwerste Gang des Tages – der Weg zum Mittagstisch. Ich bin noch von der ersten Poolrunde kaputt, obwohl man nur 1-2 Cocktails schlürft. Ich schleppe mich also zum Buffet, quer durch den heißen Sand und die glühende Mittags-Klara – kurzes Kula, was aber immer wieder in mindestens 3-4 Gänge ausartet. Man hat eigentlich kein Hunger, könnte mindestens eine Woche Fasten ehe der erste Ansatz von Hungererscheinung kommt, aber man schiebt sich trotzdem immer etwas zwischen die Kiemen. Es schmeckt halt, das Essen ist wirklich gut und gerade die Nachspeise ist immer ein Traum, oder Alptraum je nach Diabetes Stufe. Mit vollem Magen schleppen wir uns noch schläfriger und noch kaputter zurück zu den Liegen – meist ist es jetzt schon kurz vor 2. Kulala Zeit! Mit viel Glück bis 15 Uhr, weil dann Mister „Waterpolo, Waterpolo“ auf der Suche nach Opfern ist. Und hat man einmal mit gemacht, verhält sich das hier wie mit Katzen und Milch. Einmal gefüttert, kommen sie immer wieder. Inzwischen ist er sogar so dreist, dass er unsere „Schlafimitation“ ignoriert und bewusst anrempelt – „Waterpolo, Waterpolo!“ Für mich das neue „Alarm! Alarm!“ Was mich zur Flucht animiert – siehste da hat der „Animateur“ ja doch seinen Job gemacht, auch wenn ich dann meist nur an die Poolbar flüchte und meine inzwischen strapazierte Haut auf angenehme 30 Grad abkühle. Der Sonnenschutz wird die letzten Tage hier im Paradies bewusst klein geschrieben und irgendwie klappt das auch mit dem nicht verbrennen. Können wir nochmal schon Gas geben auf den letzten Metern ![]()
Gestern Abend waren wir mal wieder im à la Carte – Restaurant speisieren, Indisch diesmal. Wir hatten eigentlich alle was auf der Karte gefunden, aber geschmacklich… keine Ahnung für uns alle irgendwie unterste Kanone. Nicht nur dass Basti scharfes Lamm mit meinem nicht scharfen Lamm vertauscht wurde, ich fischte dann auch erstmal die Knochen aus meinem Knochenlosen Lamm raus. Abgesehen davon sah das ganze auch so aus wie… naja eben „Gippy Tummy“ – USA Bryce Canyon, falls es Probleme beim Verstehen gibt. Geschmacklich kann ich nicht viel zu sagen, da nach dem ersten Bissen meine Geschmacksknospen verödet waren – hatte ja Bastis Essen… als Nachtisch auch ganz spannend – Brot in Zuckerwasser abgeschmeckt mit Paranuss auf Kondensmilchfleck auf dem Brot. Sah seltsam aus und bewahrheitete sich auch im Mund als man das Stück Brot mit der Zunge gegen den Gaumen drückte und sich die Zuckersuppe im Mundraum breit machte. Schön ist anders… da es eine Etage unter uns noch ein aufgestelltes Buffet gab, war das Drama und der Reinfall nur halb so groß, aber irgendwie haben sich Stefan und der Commander was mitgenommen von gestern Abend und das ist das eigentlich Traurige, da wir uns ja auf dem Endspurt befinden. Aber All Inclusive bedeutet ja, dass auch medizinische Versorgung all inclusive ist. Bis jetzt musste noch keiner die in Anspruch nehmen. Also noch alles gut hier (Gruß an die besorgten Eltern zu Haus
)
Das Positive aus meinem Blick, ich habe mittels Ausschlussverfahren entdeckt, was mir so zu schaffen machte die letzten Tage – das einheimische Bier! Gestern mal einen Tag ohne – hab nur die harten Cocktails geschlürft
– und schwupp alles bleibt wo es soll. Wenigstens etwas gutes für heute… [Anmerkung am Rande: ich hab grad fest gestellt, dass sich meine Härchen aufm Arm heller gefärbt haben, je dunkler er wurde
ja wie scheisse sieht dann denn nu aus?!
Irgendwas ist ja immer! Bei Blondienen-Witzen fühle ich mich aktuell also auch angesprochen… Super!]
15:48 Uhr aktuell immer noch Kulala-Phase obwohl sich das nachmittägliche Fangenspiel mit Klara schon eingestellt hat. Man muss quasi mit Liege alle 30 Minuten mit der Sonne mitwandern, weil sonst der Meerseitige Wind alles auf gefühlte 20 Grad runter kühlt. Ist halt Winter in Sansibar und für blonde Haare auf den Armen gebe ich auch mein letztes Hemd ![]()
Gleich wird die Animatöse wieder rum kommen – „Volleyball! Volleyball!“ ![]()
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„Ohrschelle? Ohrschelle?“ ? Ich glaub das versteht er nicht, also werd ich mir wohl einen Fluchtweg zur Bar ausgucken – minimaler Weg und Energieaufwand zur Bar bei gleichzeitigem maximalen Abstand zum animativen Schreihals. Das erfordert zwar jedesmal etwas Hirnaktivität, aber das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Da ja selbst Schlafstellung + Kopfhörer in den Ohren nicht mehr abschreckend wirken – haben die Katze wohl zu oft gefüttert – muss man eben kreativ werden.
16:30 Uhr – good News! Habs geschafft – wie Richard Kimble auf der Flucht in den Pool, aber – Habs geschafft
nach 6 Runden
bin ich aber auch geschafft… ist eh gleich finto – Klara macht sich schon bettfertig. Werd dann mal hoch gehen und meine blonden Haare kämmen ![]()
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Erkenntnis des Tages:
Überlebenstraining muss nicht immer im tiefsten Busch stattfinden… Strand, Palme und „Waterpolo! Waterpolo!“ reichen auch um die Urinstinkte zu wecken ![]()