Subdome Victory times 5! Half Dome Victory times 3! Heute war Yosemite Half Dome Day… es gibt niemanden von uns dem nichts weh tut. Ich liege hier oben im Loft und lausche von unten nur dem Gestöhne. Hauptsächlich dann, wenn sich einer mit Füßen fortbewegt. Ich hab die Treppe auf allen Vieren erklommen – Schmerz Verhinderung mehr nicht! Ausgeschildert ist der Half Dome Hike offiziell mit 11,6 km… das hab ich auf Cam… das ist der größte Beschiss den ich je gesehen hab!! Entweder können die Amis nicht zählen, oder die haben eine perverse Art sich mit FakeNews zu motivieren. Fakt ist, die Uhr zeigt 50.000 Schritte bei 38,6 km heute an. Aber gern von vorn…

05:30 Uhr die erste Schelle des Tages. Zu früh um was zu futtern, aber nötig für unseren kleinen Ausflug heute. Taschen haben wir ja gepackt , weshalb wir es auch schaffen, pünktlich vom Hof zu reiten. Auf der Fahrt ins Valley zeigt sich uns das erstmal das Ausmaß des Waldbrandes von vor 2 Wochen. Richtig heftig was hier zum einen abgebrannt und zum anderen abgeholzt wurde, um den Rest zu schützen. Wir sind pünktlich im Yosemite Valley, drehen deshalb nochmal ne Extrarunde in Einbahnstraßen-Wahnsinn, um pünktlich kurz vor halb acht los zu laufen. Glücklich, aufgeregt und lachend mit guter Laune stiefeln sie voran… diese ahnungslosen Deppen 👈😂😂😂[Anmerkung Mister Yosemite National Park]. Verstärkt wird die positive Laune auch noch durch ein Reh was plötzlich keine 5 Meter neben uns aus dem Nichts auftaucht und sich durch uns nicht beim futtern stören lässt.

Der erste Abschnitt wieder gut ausgebaut, Betonweg mit streckenweise 15-20% (gefühlt 2000%!) Steigung. Geht gut auf die Waden, aber alle lachen noch. Nagut, bis auf David, der zweifelt schon jetzt, was er hier macht und philosophiert über das warum… Yosemite informiert uns mit einer Tafel – ab hier sind es nur noch 8,6 Meilen / 11,3km bis zum HalfDome. Mit einer abwinkenden Handbewegung geht jeder am Schild vorbei. 11,3… lächerlich denkt sich jeder (👈😂😂😂 Deppen!] und beginnt den Aufstieg zu den Vernal Falls. Es sind viele Treppen. Kleine Stufen, große Stufen, Stufen bei denen man schon ein Bergsteigerseil benötigt – alles dabei. Effekt der Stufen bis zu den Falls: das Lachen in den Gesichtern verschwindet [Anmerkung Mister Yosemite: Sag ich ja, mit mir macht man keine Scherze… ihr Übermotivierten 💪!] Erste große Pause oben auf den Falls. Jeder hat jetzt glaube begriffen, worum es hier geht. Der Half Dome Hike ist einer der schwierigsten und anstrengendsten Wanderwege der Welt. Nichtsdestotrotz entschädigt die Landschaft, die Ruhe und Abgeschiedenheit während des Hikes die Strapazen. Pause vorbei, weiter geht’s steht’s Bergauf wir müssen immerhin 1500 Höhenmeter bewältigen. Die nächste große Pause gibts oben auf den Nevada Falls. Das gute am Weg, er ist „naturbelassen“…hier und da wo man nicht so ganz so gut lang kommt, wurde nachgeholfen, mit das ganze als Weg deklariert werden kann. Ansonsten hat man das Gefühl man läuft auf einem Gröllhaufen in Richtung Himmel – steil, steinig, anstrengend. Oben wieder ne längere Pause, aus den Augen des Commanders sprühen inzwischen nur noch Funken. Die Oberschenkel brennen und die Füße melden sich langsam, aber dann das Schild „Half Dome 6,0“. Das motiviert uns wieder und wir nutzen die Regenerationspause, um mit der Eichhörnchen-Mafia auf Tuchfühlung zu gehen. 6 Milen bis zum Half Dome, das ist doch zu schaffen! [Anmerkung Mister Yosemite: wieso denkt jeder die 6,0 auf dem Schild sind Meilen?! Das ist der Schwierigkeitsgrad der ab hier mit 6 multipliziert werden muss… Deppen! 😂😂😂]

Wir sind jetzt in der Todeszone – staubtrocken, sandig, viele tote Bäume, aber es geht nicht bergauf oder ab – einfach nur straight gerade aus. Rechts der Merced River links in weiter Ferne das Grinsen des Half Domes neben seinem Kleinem Bruder dem SubDome. Die Beine erholen sich und wir kommen gut voran. Der Dome zieht an uns vorbei und wir stehen vor der nächsten Etappe, bei der ich vor 2 Jahren ausgestiegen bin. Wieder steile Serpentinen hoch Zick Zack um Zick Zack, durch einen dichten Wald – es zieht sich endlos. Wir sind gefühlt über eine Stunde im Wald gefangen, kein Verschnaufen, kein Berg ab nur hoch, hoch, hoch. Ich hasse dieses Stück, ich hasse diesen Berg ich hasse die Welt! Einmal mehr komme ich an meine Grenzen, nur diesmal leide ich nicht allein David und der Commander leiden auch in vollen Zügen… außer Basti, der rennt hüpfend und Klatschend vorne Weg… ich hasse Basti!

Als sich der Wald lichtet sind wir schon richtig weit oben. Den HalfDome können wir hier gut sehen auch die Cabels sind erkennbar, aber immernoch so unglaublich weit weg. Nach einer weiteren Pause, die in immer kürzeren Abständen gemacht werden… müssen. Sehen wir den Subdome schon in erreichbarer Nähe. Das ich nur noch auf dem Zahnfleisch krieche, irgnoriere ich, da ich mir die Frage stelle, wie kommt man eigentlich den SubDome hoch?! Antwort: Stufen! 😩🤢😩

Man hat tatsächlich in den SubDome kleine Serpentinen Stufen gehämmert um da hoch zu kommen. Man kann diesen Abschnitt nicht in Bilder erfassen, weil diese der realen Welt nie gerecht werden. Gute 200 Höhenmeter geht es im ZickZack, Stufe um Stufe nach oben. Jeder Schritt eine Qual. Ein Entgegenkommender spricht uns Mut zu und meint dass ist der schlimmste Abschnitt von allen… bis jetzt stimme ich ihm da voll und ganz zu. Wir schleppen uns Stufe um Stufe nach oben. Der Ausblick wird immer besser, aber wenn ich nach unten schaue… oh Gott bloß nicht nach unten schauen 😵

Wir gehen weiter dem SubDome hoch und irgendwann weichen die lästigen Stufen einer angenehmen Schräge. Hier braucht man wohl keine Stufen mehr, hat man sich gedacht und wir müssen diese Schräge nach oben. Ich teilweise auf allen vieren den abrutschen… könnte böse enden… die ganzen anderen Wanderer machen mich nur noch wuschiger, da man um sie herum klettern muss auf dieser Schräge, die meine letzten Kraftreserven abverlangt. Das gute, irgendwann hat auch mal diese Schräge ein Ende und ich kann mit stolz berichten, dass wir alle 5 den SubDome gemeistert haben. Wir sitzen hier in 2000m Höhe, vor uns der noch größere Half Dome – ein riesen Teil – daran baumeln die Cabels. Von dieser Perspektive sieht es aus, als ob man den Dome senkrecht nach oben geht. Der Tipp sich mal ans Ende der Cabels zu stellen und dann zu schauen ist nicht verkehrt. Gesagt getan… uff… Fazit: immer noch scheisse steil 🤐

Wir machen eine kurze Pause um uns dann hoch zu wagen. Stefan voraus, der Commander als Sandwich vor Basti, dann David dann ich… mit nassen Händen und ernsthaften Bedenken. Ich lasse die anderen machen und schau das Schauspiel von der ersten Stufe / Querstrebe an. Mutig wer sich da hoch begibt. Die Cabels fangen sanft an und das Mittelstück wird dann nochmal extra Steil. Auch die Streben werden hier etwas größer, weshalb Rinka aus Sicherheitsgründen umdreht – und ganz ehrlich, das ist auch gut so! Ich gehe ihr von meiner ersten Stufe noch einige entgegen, weil die Jungs weiter machen. Auch für mich ist das nichts. Wer oben ist, muss auch wieder runter und genau vor dem Runterweg warnt mich meine Höhenangst. Vernunft siegt und so gehen 2 Mohikaner wieder hinab zum HalfDome. Im Grunde ärgerlich, aber wer nicht an den Cabels gestanden ist, kann sich das nicht vorstellen. Hab auch mal ein Bild von unten nach oben geknipst und häng das mal an diesen Text. So warten Rinka und ich auf dem SubDome auf die anderen drei Verrückten. Gegen 15:10 Uhr sehen wir sie oben den Abstieg beginnen. Als David unten ist sieht man ihm die totale Erschöpfung an – es zittert am ganzen Körper. Richtig heftig, aber das Schlimmste kommt ja noch… der Rückweg in völliger Erschöpfung. Das schlimmste Teil wieder vom SubDome runterkommen. Die Schräge mit zittrigen Beinen und der Blick immer nach unten in die Tiefe – auch hier ein Bild im Anhang. Der Weg zieht sich, aber wo wir 3h für den Weg hoch brauchen sind wir innerhalb kürzester Zeit wieder unten. Dennoch, jeder einzelne Abschnitt kommt einem doppelt so weit vor. Die Beine schmerzen, der Rücken und die Schultern schmerzen vom schleppen der Rucksäcke, die Füße puckern und der Abstieg geht voll in die Knie. Eigentlich tut alles weh… [Mister Yosemite: 😏🤣😏]

Der Abstieg ist deutlich leiser, streckenweise sagt über 30 Minuten niemand ein Wort. Jeder ist konzentriert auf den Weg und bei den Stufenpassagen muss man auch aufpassen richtig zu treten und genug Stabilität aus den Wackelknien zu holen. Es ist schon dunkel als wir in der Zivilisation zurück sind. Wir sind alle tot. Selbst Stefan ist am Ende und das soll schon was heißen. Wir suchen noch schnell den Supermarkt auf um Nudeln und Kohlenhydrate zu bunkern. Um die 4000 Kalorien hat heute jeder vernichtet, weshalb wir uns durch den ganzen Markt futtern dürfen ohne schlechtes Gewissen 😀

Was für ein Tag – was für eine Wanderung! 38,6 km – 50.000 Schritte, aber wir haben’s geschafft und das wird wohl niemand von uns je vergessen 😇🤙💪

Erkenntnis des Tages: Es ist manchmal mutiger der Vernunft den Vortritt zu lassen!

[5. Tag]