Jambo ihr Daheimbleiber!

Sitze gerade auf meiner Terrasse in der Ol Tukai Lodge. Vor mir weites Land und eine Soundkulisse wie im Dschungel. Es ist 19 Uhr und dunkler als in nem Zebra Popo – ich seh nix und hoffe nur der Elektrozaum hält das Viechzeug draußen, welches mich als Aperitif schnabulieren will. Hier drin in der Lodge hat sich zur Familie Pavian auch noch eine freche Bande von Grünen Kapuziner Äffchen gesellt. Die einen kommen immer näher und lenken ab und die anderen springen dich an, wenn du mal nicht aufpasst. Hatte noch nicht das Vergnügen, aber versucht es einer gibts ein Roundhouse-Kick und der Affe klebt an der Wand – soll mir wegbleiben das Gezuppel, hab schon genug damit zu tun die Geckos und anderes Krabbelzeug von mir zu halten. Ja, ich bin Prinzessin – na und?! Abgesehen davon darf ich heute mein Leid klagen, denn Salim schafft mich!

Heute morgen 7:00 gings pünktlich auf die Hoppelpiste. Auf dem Plan stehen 300km bis 12 Uhr dann Mittag und danach Safari bis zum Sonnenuntergang. Wir fahren wieder die Bundesstraße entlang dichter Verkehr, LKW an LKW, Schlagloch jagt Schlagloch – das kenianische Standard Programm. Salim ist gut drauf, überholt wenn ich denke es ist zu spät, hupt wenn er kein Platz bekommt und bremst auch mal wenn er im Überholmanöver ist, aber nur weil der LKW der von vorne kommt schon verdächtig nah ist und dieser auch noch plötzlich von einem Bus überholt wird… Ich bremse mit, es passiert nur nichts. Nächste Panikstufe bei mir dann, Hände vors Gesicht, hoffen und auf Salim vertrauen – hat bisher ja immer geklappt 🙈

Heute redet er ne Menge erzählt uns viel vom Land, der Religion die am Meer eher muslim und im Landesinneren eher christlich is. Wir fahren vorbei an riesigen Sisal Feldern, etlichen kenianischen „Shops“ – nur stilecht mit der Wellpappe – und natürlich wieder an verdreckten Seitenstreifen, die ihres gleichen Suchen. [Woooa, gerade ist hier ne Fledermaus am Kopp vorbei geflogen – 😳 ich bin weg!]

Wir hören von Edelsteinfarmen und Goldabbau am Victoriasee – Salim ist stolz auch wenn seine Mimik zu 90% des Tages eher einer phlegmatischen Statur gleicht. Er erzählt uns von 5 großen kenianischen Gefängnissen. An einem fahren wir direkt vorbei und denken uns Knast ist ja wie Urlaub in Kenia. Schicke Farm – Steinhaus – Licht – viel Obstplantagen – den geselligen Wellpappe Stil kennt man hier nicht. Der Knast liegt knapp 10km hinter Voi im Menschenfresser Gebiet. Ja ich hab bei Salim auch mehrfach nachgefragt – Menschfresser Gebiet. Ist wohl historisch gewachsen und hat mit der Kolonialzeit der Engländer zu tun. Ob jetzt die Engländer Kenianer, oder die Inder die Kenianer und Engländer gefüttert haben kann ich nicht genau sagen, da ich ihn nicht ganz verstanden hab bei 100kmh und offenem Fenster. Ich merke mir: früher hat hier irgendwer irgendwen angeknabbert und deswegen mögen die sich noch heute nicht. Sobald wir von der Bundesstraße runter sind und in Richtung Amboseli Nationalpark fahren, wird es merklich sauberer am Straßenrand und die Straße hat nur noch halb so viele Schlaglöcher – Kenia, ich hab Hoffnung! Nach etlichen Minuten im Auto biegen wir auf die Zielgerade ein – der holperweg zum Park und zur Lodge darin. Der Weg muss magisch sein denn Salim entdeckt nicht nur sein Schumi-Gen wieder sondern zeigt uns auch seine neue Fähigkeit, die mich restlos begeistert – erzählen, schwafeln und mit beiden Händen zeigen. Alles gleichzeitig bei 70kmh im Busch. Mal wieder Zeit für Panikstufe 2 🙈

Kennt ihr ein Waschbrett? Genau so ist die Straße – sandig, rutschig und 1000 kleine Hügelchen dicht an dicht. Die Stoßdämpfer haben entweder ihre helle Freude, da sie voll in ihrem Element sind, oder – und das vermute ich eher – sie haben vor 200.000km schon den Dienst quittiert und wir fahren auf blankem Blech, oder Metall, oder was auch immer. Unser Nissan hat übrigens 314.000km runter… Woche für Woche Safaris – der Mechaniker muss Gott ähnlich sein, dass die Kiste immernoch läuft. Na jedenfalls Salim will zum Mittag in der Lodge sein und tritt drauf. Scheiß auf Waschbrett, Scheiß auf Sand, Steine, uneinsichtige Kurven und tiefe Gräben links und rechts – all you need is Stoff, Stoff, Stoff! Ich gugg nicht hin, ich Kralle mich in den Sitz vor mir und verbiege die Stahlstange neben mir – vor Freude – selbstverständlich 💪

Wir kommen lebend an in der Ol Tukai Lodge. Der dahin Weg ist jedoch echt seltsam. Der Amboseli [= Salzstaub auf Massai] empfängt uns mit einer nicht enden wollenden Staubwüste und direkt im Anschluss ein Sumpfgebiet ebenfalls elendig weit. Hier und da ein Elefant und ein paar Gnu’s aber nichts, was wir schon nicht gestern gesehen haben. Bisher haut uns hier nichts vom Hocker – Wüste & Sumpf mit ganz viel nichts. Wir biegen die letzten Meter zur Lodge ein und sehen umgeknickte Bäume, kaputte Zäune und verfallene Häuser einer Lodge… ich bekomme Angst und will ganz schnell nach Sansibar 😳 Salim erklärt uns dass das die alte Amboseli Lodge war, jetzt keinen Besitzer hat und die Elefanten auf Nahrungssuche mal eben alles platt machen – richtig krass! Eine Abbiegung weiter eine andere Welt – Ol Tukai Lodge, 5h Autofahrt und Luxus mitten im Busch. Wir beziehen unsere Zimmer und wie auf Bestellung kommen alle Tiere im Amboseli zusammen und versammeln sich vor unserer Terrasse zum Appel – wir / ich sind geflashed. Zebras keine 10Meter von meinem Zimmer weg. Im Hintergrund Elefantenherden, Nilpferde, Antilopen und Büffel ohne Ende in Summe locker mehrere hundert Tiere. Spontan sagen wir die geplante fahrt in ein Massai Dorf ab, da wir Tiere guggen wollen – ohne Auto. Abgesehen davon wären wir da auch wieder als lebende Geldautomaten in einen Käfig mit nervenden „BusinessMassai’s“ geworfen – haben wir echt kein Bock drauf. Als ob die Luxus Lodge nicht schon genug ist – Essen is Mega, sogar Commander Rinki ist satt 😜 – machen wir nach dem Essen noch eine Tour quer durch den Park. Wir sehen Herden über Herden aller Tiere. Tausende und dazu gesellt sich die Sonne auch noch dazu und serviert uns im untergehen einen atemberaubenden Blick über die Savanne, Wüste und den Sumpf. Es ist unbeschreiblich und mir fehlen in der Tat die Worte um das hier annähernd adäquat wiederzugeben. Amboseli – muss man selbst mal erlebt haben, richtig gut und um es mit Stefans Worten zu sagen:“ das ist irgendwie unwirklich!“ Gestern noch im Tsavo haben wir Stunden verbracht um ein paar Viecher zu sehen und hier stehlen die sich alle die Show – ein riesiger Tiercocktail und alles lebt friedlich und frisst nur den ganzen Tag. Mega Mega geil 🙂

Ich sitze inzwischen beim Abendbrot, draußen knacke es links und quiekte rechts. Da ich Papa Pavian und Kollege Kapuziner Kanaille nicht mehr sehe flüchte ich zum Futter – nicht der schlechteste Move! Morgen gibts ne Frühpirsch – Abfahrt um 6.15 aufstehen um leck mich viel zu früh 😖 aber hey es warten ja noch 12 Tage Sansibar, 12 Tage Sonnenbaden und 12 Tage Cocktail schlemmen auf den Plan…

Erkenntnis des Tages:

Urteile nie zu früh mein junger Padavan!

Reisetagebuch 3. Tag