Okay meine Füße schmerzen wie Hölle. Ich glaub die wollen Abfallen. Bilanz des Tages: 3 Leute haben Knie, 2 Leute haben Fuß, 1 Leut hat Schweiß und 0 Leute bereuen alles daran!
Der Tag beginnt um 6 Uhr morgens verschlafen schmieren wir ein paar Bagels mit Salami, ein paar mit Käse und ich zwei mit Guacamole 🤤 . Meine letzte Avocado hatte ich vor zwei Wochen. Bin schon auf Entzug und die fertige 6$ Guacamole schmeckt echt gut. Gemeinsam fahren wir runter ins Valley zum Startpunkt für den Hike zu den Yosemite Upper Falls. Da die Knie-Gewerkschaft bei El Henno in den Streik getreten ist, trennen sich unsere Wege nach ziemlich genau 50 Meter. Er biegt ab zu den Lower Falls und wir starten den Aufstieg in Richtung Upper Falls, was gleichzeitig der Weg hoch zum El Cap ist.
Während wir nach oben wandern, erkundet El Henno das Tal ebenerdig, kauft noch ein paar Sachen für morgen früh und tankt ein bissl für ne Bazillion $ Pro Gallone. Watt mutt datt mutt 🤷🏻♂️


Apropo Eagle Peak, da sind ja noch drei Haselocken auf ihrem Weg nach oben. Um ehrlich zu sein war der Anfang zu ambitioniert gewählt. Die Pumpen pumpen und die Luft bleibt weg. Der Anstieg zu den Uppers is heavy. Wir werden am Ende in grob 5km gute 800 Höhenmeter machen. Klingt bekloppt? Isses auch!
Der Weg ist irgendwie in verschiedene Abschnitte unterteilt. In einen Abschnitt mit Stufen, einer mit sandbedeckten Stufen, einem mit Stufen die von der Höhe nur per Klimmzug bewältigt werden können und in einen Abschnitt der aus so spitzen Steinen besteht, die mal Stufen werden wollten. Ohne Witz es geht geschlagene 3h nur bergauf Stufe um Stufe. Auf jeden Schritt muss man aufpassen, sonst rutscht man weg, oder man rammt sich einen dieser Nadel-WannaBeStufen-Steine unten in die Fußsohle und brüllt vor Schmerz.

Irgendwann zwischen dem 43. und 45. abschnitt voller Stufen kommen wir den Upper Falls näher. Tatsächlich sind auf dem Weg viele Touris mit nicht Wander Equipment zu sehen, die einfach nur den Trail hoch zu den Uppers gehen ohne vernünftige Schuhe, ohne ausreichend Wasser und ohne passende Kondition. Leider sieht man viele die den Trail unterschätzen und man an den Serpentinen hoch gefühlt bei jeder Wendung ein Sauerstoffzelt aufbauen müsste. Zugegeben ist die Sonne am Vormittag auch gnadenlos und entlang des Weges ist jeder Schattenplatz belegt, sodass man schnell reagieren muss, wenn man wirklich mal einen freien Platz findet zum Pause machen.

Auf die Dauer ist es schon witzig weil man weiter oben immer die gleichen Leute überholt, die dann wiederum uns überholen, wenn wir Pause machen. Und wir machen Pausen, der Weg hoch aufs Plateau zieht sich ewig (Spoiler: … warte mal auf den Weg runter du Trottel🤣🤣🤣)
Tatsächlich war der Walk of 10.000 Stairs der anstrengendste Part am ganzen Hike. Oben auf dem Plateau gibts zwar auch noch hier und da Höhenmeter zu absolvieren, aber die halten sich in Grenzen und verteilen sich auf die restlichen Kilometer zum Eagle Peak. Die Landschaft ist anfänglich super idyllisch. Wir strazen durch typische Baumwälder des Yosemite bedeckt von Farn so weit der Blick es zulässt. Dass auch hier Bären rumrennen und im letzten Jahr sogar 21 davon übern Haufen gefahren wurden, spielt gar keine Rolle. Wie sehen auch nichts von der Viecherwelt bis auf die typischen Eichhörnchen und Chipmunks.
In der Tat erstaunt mich die Fülle von toten umgekippten und zersägten Bäumen oben. Totes Holz liegt quasi überall. Aufgeräumt wird nicht. Es wird alles der Natur überlassen nur manchmal wenn ein Baum sein Ableben direkt übern Wanderweg vollzogen hat, wird vielleicht hier und da mal der Weg frei gemacht… vielleicht…

Stellenweise gleicht der Weg tatsächlich einem Kletterpark. Begleitet wurden wir übrigens von Moskitos. Zwar haben sie die Sonne gemieden, aber soviele habe ich hier bei weitem nicht in Erinnerung…
Ab dem Stufendrama dauert es weitere 60 Minuten bis wir zum Eagle Peak kommen. Der Weg hoch zum Peak lässt nochmal die Pumpe arbeiten und die Schweißdrüsen zu Duschköpfen werden. Es weht kein Lüftchen auch wenn wir bereits auf 2300 Meter üNN sind und die Temperaturen bei angenehmen 22 Grad liegen. Aber ja was soll ich sagen… als wir oben wahren… wow…

Oben machen wir circa 40 Minuten Pause. Wir lassen uns Zeit. Wer braucht schon nen Timer im Urlaub. Es werden ausgiebig Fotos gemacht, der Urlaubsfilm wird vermutlich nich mehr Einblicke in die Landschaft geben. By the way – wo ich’s grad anspreche. Sobald der fertig ist, landet er auch hier auf der Seite ofcourse! Bekanntlich ist der Weg runter ja immer schneller. Als wir gegen 12.40 den Abstieg beginnen geben wir El Henno unserem freundlichen CarKeeper die Zeit Angabe von 3-4h für den Rückweg und tatsächlich wird es sich als Trugschluss herausstellen dass wir zurück massiv viel Zeit einsparen können. Wieso? Weil man a) super vorsichtig die Füße setzen muss, wenn man auf den Steinen mit Sand nicht in den Tot rutschen will und b) sind diese Fick-Mist-Kack-Steine so spitz und tuen saumässig weh wenn man einen falschen erwischt.

Über die Zeit verlangen Stein, Stufen und Aufmerksamkeit ihren Tribut. Nicht nur das permanente Aufpassen vom Kopf her anstrengt nein auch das korrigieren des Schritts der Füße wo sie landen sollen und das beugen der Knie ab Stufe und Stein Nummer 34.000 verschleißen die Gelenke und Fußsohlen massiv. Das letzte Drittel des Weges runter ist die Hölle auf Erden für alles. Ich wünschte ich könne Ibuprofen wie Smarties knabbern aber leider haben wir keine dabei, zumindest nicht in der Masse. So isses dann auch kein Wunder das ich leidlich werde und der Pummelfee Modus aktiviert wird. Für alle die nicht wissen was der Pummelfee Modus ist. Das ist bei mir die äußert sensible Phase zwischen maximaler Erschöpfung, Genervtheit und Schmerz. Pummelfee ist dabei das Codewort das jeder sofort versteht. Bekommt man eine Frage und die Antwort ist „Pummelfee!“ dreht man sich lieber um und versucht maximalen Abstand zu gewinnen. Antworten netter Art sind nicht zu erwarten. Sarkasmus und maximaler Ergoismus stellt sich ein. Eine falsche Frage kann zur Explosion und Mord im Affekt führen. Also Pummelfee = Abstand. Das hat auch bei Hendrik super geklappt als er uns netterweise unten wieder abholt und sich zu mir dreht und eine Frage loswerden will. Ich sagte nur das Codewort und er dreht sich Instant um und redete wieder mit Rambi und Stefan. Ich liebe diese blinde funktionierende Kommunikation.

Inzwischen haben wir geduscht, Nudeln zum Abendbrot gehabt und ich hab mein Fresskoma von 19 bis 2030 Uhr beseitigt. Meine Füße tun kaum noch weh und ich hab die Zeit und Muße zum tippen gefunden. Pummelfee Modus ist auch schon wieder inaktiv, also alles gut. Der Tag Overall war anstrengend as fuck aber wert. Das oben auf dem Eagel Peak ist der beste Blick ins Tal und auf den Half Dome so viel ist mal Fakt. Das wir den El Capitan geskipped haben… egal, den brauch keiner 😄 also… lasst uns den Tag nach all der Qual positiv beenden und die Sonne „praisen“

Erkenntnis des Tages: auch ein Berg kann die kürzlich verlorene Gunst wieder erlangen