Nach der Mördertour gestern wollen wir heute zumindest 1/3 des Half Dome Weges hochgehen. Da alle Wasserfälle hier ordentlich Wasser spucken, ist der Vernal Fall als auch der Nevada Fall auf dem Weg zum Half Dome ein schöner Plan um USA2025 wandertechnisch passend ausklingen zu lassen. Nun aber bekanntlich kommt es erstens immer anders und zweitens als man denkt…
Der Wecker… klingelt nicht. Aber aufstehen tun wir dennoch so gegen 8, die innere Uhr ist schon wirklich gut getrimmt. Ehe wir loskommen wird es 9.30 sein. Die Knie-Gewerkschaft ist immernoch auf Streik aus, weshalb El Henno heute auch passt und die Wasserfälle nicht mitnehmen kann. Wir nehmen also das Auto und wissen nicht dass dies der erste Fehler des Tages ist – El Henno als Fahrer nicht mit zunehmen und uns unten ein Parkplatz zu suchen, wird unseren kompletten Tagesplan durcheinander bringen.
Als wir drei Pfadfinder so gegen 10.30 im Valley ankommen, hat der Tourismus schon den Parkplatz zum Curry Village – also da wo unser Startpunkt zu den Falls gewesen ist – gesperrt. Man kommt mit Auto gar nicht mehr in die Nähe vom Curry Village, geschweige denn zum Trailhead Parking Slot. Wir müssen uns dem umgeleiteten Verkehrsfluss anpassen und schwimmen mit der Masse zum nächsten Parkplatz – Visitor Center – auch hier ist nichts mehr frei. Da sind wir schon locker 1,5 Meilen vom Wasserfall Hike Start entfernt. Hilft nix, wir müssen mit der Automasse mitfahren. Inzwischen ist es schon 11 Uhr als wir dann an der Yosemite Lodge – also genau da wo wir schon gestern geparkt haben – einen Platz finden für unser Schlachtschiff. Vom Hikestart sind wir über 4 Meilen weg. Da hinlatschen – gar kein Bock drauf! Zumal jeder von uns den Hike von gestern noch in den Knochen spürt. Wir müssen also umdisponieren…
Wenn der Hike gestern von dem Parkplatz nach Norden losging… gehen wir heute nach Süden. „Four Mile Trail“ heißt das gute Stück und ist im Prinzip der Weg aus dem Tal noch zum Glacier Point. Gesagt beschlossen gehen wir los. Die ersten 500 Meter gehen mäßig gut. Füßen schmerzen, dann kommt der Anstieg. Ihr könnt euch das vorstellen wie… ja wie gestern. Gleiche Klippe, gleiche Steigung, gleiche Qualen. Wir gehen weitere 500 m die ersten Serpentinen hoch. Dabei lassen wir uns noch ordentlich über die Parkplatz Situation aus und die verpasste Möglichkeit. Der Ärger darüber weicht aber sehr schnell dem realen Schmerz. Wir bleiben stehen… wir haben Frust, weil wir ja schonmal am Glacier Point waren und den Blick kennen. Wozu also quälen? Die Gleiche Frage gabs gestern auch beim El Cap. Wir sind genervt und drehen um!
Auf dem Weg runter kommt uns ein Chinesenpärchen entgegen. Wir können uns den Obligatorischen Scherz nicht verkneifen und sagen als sie an uns vorbei gehen „You‘re almost there!“ – ich glaub unter Wanderern ist das so ein Running gag, auch wenn man direkt am Hikeanfang ist. Man sagts eigentlich immer. Beide lachen und fragen uns von wo wir kommen: „Von oben!“ sag ich. „Wir sind direkt am Morgen vom Glacier Point gestartet!“ – „Oh, Wooooow!“ Hören wir nur noch und verabschieden uns… Lügen – klappt noch! ✅😄

Wir haben beschlossen heute Piano zu machen. Der Hike gestern war zu krass und wir schließen in dem Zusammenhang auch Frieden mit dem Half Dome. Selbst mit einer Erlaubnis, hätten wir es heute definitiv nicht bis oben gepackt. Also stratzen wir unten wieder angekommen los und wandern ebenerdig durchs Valley. Wir wollen einen kleinen Rundkurs machen und beim Auto und Starbucks abschließen. Auf dem Weg kam uns die Idee doch einfach zum El Cap zu wandern und ihm wenigstens mal an die Füße zu fassen. Eigentlich ein schönes Ziel: wenn wir ihm gestern schon nicht auf dem Kopf rumgetanzt sind, dann knutschen wir ihm heute wenigstens die Füße ☺️

Der Weg durchs Tal ist schön. Man kann hier echt viel machen vom wandern, rafting, Kanu fahren, baden im River – super klar! – oder Sonnen an den Flussstränden ist alles machbar. Das alles natürlich vor einer Atemberaubenden Kulisse. Wir können sehen wo wir gestern langgelaufen sind, respektive welchen Berg wir gestern erklommen haben.


Uns wird bewusst, wieso uns alles wehtut. Egal das Ziel für heute: Füße knutschen. Also gehen wir weiter zum El Cap, finden auch den Weg, wo die Kletterer immer anfangen und 99% der Touristen nicht hingehen. Es ist ein kleiner Anstieg nicht der Rede wert, aber als man dann endlich am Fuße steht, kommt man sich einmal mehr super klein vor. Insbesondere bekommt man Ehrfurcht vor der Leistung von Alex Honnold der die Wand ohne Seil in unter 4h hoch gekraxelt ist. Der Film dazu „Free Solo“ gibts übrigens auf Disney+ wer kein Disney hat einfach mal auf YouTube nach Free Solo suchen und nasse Hände bekommen…
Nach einer Ordentliche Pause geht’s zurück ins Dorf. Der Starbucks auf den wir seit locker 3 Tagen verzichtet haben wartet auf uns. Wir sind uns auch nicht zu fein den Weg zurück mit dem Shuttelbus zu fahren. Ich glaube wir sind alle vom Urlaub positiv geschlaucht, einfach inzwischen kaputt. Da isses okay auch mal den Bus zunehmen. Wir navigieren uns durchs Tal zu unserem Kaffee, widerstehen auf dem Weg den ein oder anderen Tourist zu ermorden (#WirHassenMenschen) und sind gegen 16 Uhr circa wieder an der Lodge.
Wir müssen morgen leider schon um 4.30 Uhr aufstehen, denn das Auto wird zurück gegeben 11 Uhr am Frisco Airport. Das sind von hier gute 4,5h Autofahrt. War so geplant, is dennoch stressig. So kommt es das wir abends nur noch den Film über den El Capitan und dessen Free Solo Besteigung anschauen und schon um 20.30 Uhr im Bett liegen. Das im Film zu sehen während man hier direkt ist, ist irgendwie nice gewesen 🤗

Nunja, morgen dann der erste Eintrag aus Frisco. Ich hoffe die Stadt ist immernoch so geil. Ich liebe Frisco! Nach Erbendorf gleich meine liebste Stadt. Leider haben wir diesmal nur gute 1,5 Tage um die Stadt zu erkunden. Da werden wir wohl nur die Standards mitnehmen, aber hey – auch die sind toll genug 🤗
Erkenntnis des Tages: wenns genug ist, ist’s genug und man kann ruhig nachgeben!