Es ist soweit! Ja ich bin heut 39 geworden, aber das ist belanglos im Vergleich zu dem was vor uns liegt! 12km, 1400 Höhenmeter auf 3720m über NormalNull. Ich hab schiss, nein, Respekt vor diesem Marsch! HalfDome war heftig, aber HalfDome war ja auch auf entspannten 2680m üNN… da fangen wir diesmal eigentlich erst an! Nagut auf 2300m gehts los… aber kacke man – ich hab Zweifel 🙈

Ziemlich genau um 0.00 stehen wir auf. Kurze Umarmungen und Glückwünsche… nervt mich nicht, ich bin mit mir beschäftigt! Rucksack packen, eine Tonne Powerriegel und 5 Millionen Liter Wasser lassen den Rucksack nebst anderen wichtigen Dingen wir Taschentücher und ner zweiten Jacke auf eine Bazillion Kilo schwer werden. Aber egal, Mister Jelly Belly wird das schon hinbekommen. Es ist 0.40 Uhr der Motor startet und wir begeben uns in Richtung 🌋. Wo genau wir hin müssen wissen wir nur ungefähr – TF-21 Kilometer 40,5 – irgendwo da Auto parken und ab da irgendwo los wandern. Da es ja nicht dunkel ist, wird das ja ein leichtes werden. Die Fahrt dauert circa 40 Minuten. Basti der Fuchs stellt alle paar Minuten die Klima um ein grad runter, damit uns nicht der Schlag trifft wenn wir aussteigen. Auf dem Weg sehen und fahren wir noch die uns bisher steilste Straße. San Francsico war ein scheiss dagegen. Locker (!!!) locker 40% Steigung – der zweite Gang von unserem Toyota hatte kaum bis keine Chance! Erstes kleines Highlight – der Rest des Weges wird normal – Berg Straße enge Kurven und immer Berg auf auf auf. Um uns herum tiefes Schwarz von der Umgebung bekommen wir nicht viel mit. Wie am nächsten morgen zu sehen ist, verpassen wir aber auch nicht wirklich viel aus Schutt, Geröll und ganz viel Steine…

Kurz vor 2 erreichen wir den Parkplatz / Haltestelle an der Straße. Als wir aussteigen wird uns klar, weder die Höhe noch der Berg, die Kälte wird diese Nacht der Endgegner sein. Junge ist das kalt! 5 Grad maximal. Ja wir haben alle Windbreaker und Funktionsklamotten an, aber ohne Bewegung helfen die nur bedingt. Schlagartig kippt die Stimmung und wir zieren uns wirklich loszugehen… im Auto isses noch so angenehm warm 🙈

2.30 Uhr Es geht los! Zu meiner Beruhigung ist der Weg tatsächlich ausgeschildert, sodass wir kaum im dunkeln falsch abbiegen können und plötzlich auf der Zugspitze stehen 🤷🏻‍♂️ Ein Höhenprofil zu Beginn des Weges deutet an, was uns erwartet. Wir müssen für circa 5km bei 7-12% Steigung um den Montaña Blanca herum laufen, ab dann beginnt der Aufstieg zur Pico del Teide. Auf 3200m bei Kilometer 10 gibt es ein Refugio. Ich denke mir wenn ich es bis dahin schaffe, ist der Rest ein Klacks! Wir laufen also los. Alle sind noch guter Dinger und nach den ersten paar hundert Metern wird die Temperatur auch erträglich, aber nur wenn man in Bewegung bleibt☝️ mit unseren Taschenlampen leuchten wir den Weg aus der angenehm ist. Schotterweg, breit und ausgebaut. In der Ferne weit unten leuchtet irgendein Dorf, was nochmal andeutet wie weit oben wir schon sind. Um uns herum nur Schwarz. Wir sehen nichts außer den Weg – vielleicht auch ganz gut so… bis Kilometer 5 schaffen wir es in guten 90 Minuten. Die Kälte hat uns schon gut gezeichnet. Ich friere auch wie Hölle weshalb ich meine zweite Jacke als inzwischen 4te Zwiebelschicht überwerfe. Das hilft – das merke ich sofort und freu mich ein wenig. Basti nutzt die KM5 Pause auch dafür seine zweite Kompressionshose anzuziehen. Uns gehts gut, aber der Spaß beginnt erst jetzt. Die Teide kommt 5km weg bis zum Refugio etliche Höhenmeter mindestens 10% Steigung mit Stufen, Felsen allen drum und dran. Da gute mit jedem Schritt den man geht, wird die Luft ein Stückchen dünner, weshalb auch die Minipausen in immer kleineren Abständen kommen. Basti kämpft inzwischen auch mit seiner Wade, ich mit der Luft und dem Wind. Der zwar moderat ist, aber dennoch kalt und nervig. Ab Kilometer 7 ist es nur noch ein Kampf und eine „Tortour“. Woran es liegt können wir nicht einschätzen. Erschöpfung ist es nicht wirklich, auch wenn die Glieder schon schmerzen. Es fehlt einfach an Luft 🌬 irgendwann sehen wir die Lichter des Refugios, das spornt nochmal an und mit gefühlt letzter Kraft schleppe ich mich wie ein Zombie aus The walking Dead mit hängender Schulter nach vorn gedreht hinein. Drinne sind schon einige die auch hoch wollen und hier im Refugio übernachtet haben. Den Aufstieg in einem Rutsch machen war denen wohl zu viel… pfft Weicheier! Aber um ehrlich zu sein, zu diesem Zeitpunkt habe ich auch schon innerlich damit abgeschlossen die Spitze jemals zu erreichen. 3400m (die Seilbahn) zu erreichen war für mich dann schon eine Option mit der ich leben konnte. Das Refugio selbst war echt schick. Zwei Damen hielten es in Schuss und wir ruhten uns aus. Gegen 5.45 Uhr war das – auf circa 3200m üNN. Als ich rein kam musste ich feststellen, dass ich unter meiner Jacke ordentlich geschwitzt hab, auch wenn sich das so nicht angefühlt hat. Es war nass und ich hab erstmal alles ausgezogen. Kalt war mir auch und ich fühlte mich hundeelend. Powerriegel und was zu trinken halfen da nicht viel. Ich war durch mit der Welt mit dem Aufstieg zur Teide mit allem. Kurz nach 6 ging die Reise weiter. Wieder alle Zwiebelschichten übergezogen ob nass oder trocken war egal, Hauptsache Winddicht! Es ging recht zügig wieder los, zu zügig für mich die Luftknappheit hat mich gleich wieder eingeholt. Hinzu kam noch ein Schild was mir mein Dilemma verdeutlichte. Seilbahn 2km 14% Minimumsteigung. Ich dachte vorher dass die Seilbahn ziemlich nah beim Refugio ist, aber nee denkste. In dem Moment schoss mir einiges in den Kopf: zurücklaufen keine Option, nach oben Qual aus der Hölle da ich einfach schon am Ende war. Dh ich musste weiter nach oben weitere 2km, weitere 300 Höhenmeter quälen. Mir wurde kurz schlecht und ich brauchte ne Pause. Ob ich wollte oder nicht, ich musste… es gab keinen anderen Weg, ich musste da hoch. Kurz gefasst ging es dann weiter. Einen Fuß vor den anderen Schritt um Schritt, Stein um Stein. Es war inzwischen auch schon gut nach 7 die Sonne stand kurz vor dem Aufgang. Die Junx habe ich abreißen lassen da Stefan einen Fotospot für den Aufgang brauchte. Also sind beide vorgetobt. Diese Chance hab ich für ne kleine Pause genutzt und mich seit langem mal umgedreht um den Ausblick zu genießen…. und was soll ich sagen? Ich war überwältigt, sowas hab ich zuvor noch nicht gesehen! Einmal mehr schossen mir viele Dinge durch den Kopf. Mein Geburtstag, wieder ein Jahr älter, die Tatsache das ich es trotzdem bis hier her geschafft habe und selbst Basti schon meinte auch für ihn an der Seilbahn Schluss. Es war ne seltsame Mischung aus ein bissl Stolz, Schmerz und Erschöpfung die mir eins zwei Tränen in die Augen trieben. Wie auch immer kurzes Foto für die Ewigkeit gemacht und weiter Schritt um Schritt. Irgendwann erreichte ich Stefan und Basti wieder. Die Sonne ging auf und empfing uns mit Wärme. Das hatten wir auch bitter nötig. Stefan zitterte schon am ganzen Körper und auch die kurze Pause am Foto Spot brachte keine Wirkliche Erholung. Basti und ich hatten nur ein Ziel vor Augen: Seilbahn. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten – die Höhe von 3500m haben wir schon längst geschafft, aber die Spitze des Vulkans die wir inzwischen in voller Pracht sehen konnten hielten wir weiterhin für unerreichbar. Weiter ging’s von dem Fotospot aus. Stefan ging vorweg. Weit bist zur Seilbahn konnte es nicht mehr sein. Das Stück was jetzt kam war relativ angenehm. Höhenprofil eher gleichbleibend was uns etwas Energie gab und wir uns an die dünne Luft gewöhnen konnten. In mir als auch in Basti reifte der Gedanke wieder und als wir die Seilbahn erreicht hatten – es war so gegen 8 Uhr – sagten wir uns scheiss was, wir gehen am Ranger vorbei und schauen einfach wie weit wir kommen. Da man bis 9 Uhr offiziell ohne Erlaubnis am Ranger vorbei auf die Spitze darf = gute Idee. Also sind wir doch weiter und haben nicht aufgegeben. Weitere 200 Höhenmeter die über eine Treppe mit unendlichen Stufen zu erklimmen waren. Ich bin gefühlt 2 Stufen gelaufen und hab 2 Minuten Luft geholt. Es hat schon eine Weile gedauert und ich hab in dieser Zeit den verfluchten Berg angebrüllt, ihn beschimpft und den Asudruck : „Fick Dich Berg!“ zu meinen Lieblingen gemacht. Er musste sich wirklich was anhören dieses Luder und auch mein Knie hat er auf seine Seite gezogen, aber mir war alles Wurst. Ich war so kurz davor diese Kröte zu erklimmen, nur ein 🌋 Ausbruch hätte mich jetzt noch abhalten können. Geschafft haben wir es ja finally, das hatte ich ja schon gestern geschrieben. Oben der Kegel des Vulkans war relativ unspektakulär. Etwas Dampf und Schwefel stiegen auch auf, aber sonst haben wir nur die Aussicht genossen und uns erholt. Streckenweise waren wir auch allein für uns da oben. Erhabene Momente ja und der Ausblick über die gesamte Insel… dass der spektakulär war muss ich glaube nicht erwähnen. Das ich den Berg so beschimpft hab rächte sich dann im Abstieg. Mein Knie ist komplett ausgestiegen und während die Junx in 30 min unten waren brauchte ich 45 Min… der Rest ging echt flott. Runter mit der Seilbahn, mit einer Mitfahrgelegenheit durch Bastis Spanisch organisiert ging’s zum 3km entfernten Auto und dann ab nach Hause. Kurz zum Lidl Mittag essen organisiert für das gemeinsame Fresskoma danach. Die Uhr zeigte inzwischen auch schon 12 Uhr an. Als haben wir geduscht, gegessen und bis 17 Uhr gepennt… dass wir dann noch ne riesen Suchaktion nach meinen KreditKarten organisiert haben, die ich verlegt habe, wir deswegen nochmal an den Strand nach Santa Cruz gefahren sind damit ich die Karten dann auf dem Rückweg im Auto in der Vordersitztasche finden kann, dass erwähne ich hier mal nur beiläufig 🤦🏻‍♂️🤷🏻‍♂️

Beim Steakhouse unter uns haben wir dann den Abend ausklingen lassen und sackten um angemessenen 22.30 Uhr ins Bett in unser Zweites Fresskoma des Tages…

Erkenntnis des Tages: wenn du denkst du kannst nicht mehr, zaubert der Körper trotzdem noch etwas Energie daher…

[Tag 5] Der D-Day für Couchpotatoes!