Gäääh…wie jeden Tag wache ich pünktlich um 5 Uhr auf, lausche den nächtlichen Sirenen der San Francisco Fire Departments, welche durch das liebliche Baumsägen von Chris noch perfekt abgerundet werden. Es ist der letzte Tag in Frisco und ich beginne meinen Text zu tippen, um die Eindrücke vom Tag zuvor festzuhalten. Immer wieder schweifen meine Gedanken ab… Auto holen, mein Knie… Yosemite – oh Gott, die Lotterie! Haben wir die Tickets? Dürfen wir hoch zum Half Dome? Ich checke meine Mails und finde eine Sorry-Mail. Mist! Clever wie wir waren hat sich jeder von uns einzeln als “Leader” einer Gruppe eingetragen für die Lotterie und Stefan war der Lucky One! Geil, Half Dome wir kommen!
Wir? Das ist die große Frage. Ich fahre den Weg zum Flughafen mit Chris zusammen und merke bei den paar Metern zu Fuß dort am Flughafen ein Stechen im Knie. Fünf Treppen und 500m später bin ich bereits wieder am humpeln. Wenn jetzt kein Wunder passiert, denke ich mir, dann kann ich den Half Dome morgen knicken.
Ich schiebe die Gedanken und das Stechen aus der Hölle beiseite – immerhin müssen wir jetzt unser Raumschiff abholen. Der Verkäufer ist gut, versucht uns zu bequatschen, aber mehr brauchen wir nicht. Die Karre ist schon teuer genug! Nach ein paar Formalitäten dürfen wir ihn in Empfang nehmen unseren Traum in weiß. Als wir das Auto sehen, kann man von unseren Gesichtern ablesen, dass hier zwei Jungs ein neues Matchbox Auto zum Spielen bekommen haben. An der Kiste ist alles elektrisch! Dazu gibt’s eine Klimaanlage für den Hintern, mehr USB Anschlüsse als wir Geräte oder Kabel dabei haben und ein Stauraum in der Mittelkonsole, von dem wir nicht mal den Boden sehen können so tief ist der. Stefan hat das Navi darin versenkt und ich könnte schwören es hat 3 Sekunden gedauert bis es unten aufprallte…
Koffer gepackt, Hotelzimmer wieder bewohnbar gemacht und dann nur noch zwei Dinge vor der großen Fahrt zu erledigen. Zum einen kaufe ich mir im Drugstore noch eine Kniebandage – ich will mein Schatz heute möglichst verwöhnen – und zum anderen…
na logo! “6 inch, Rosted Chicken Italien Style with cheddar cheese” – Ein Sub geht immer!
Frisch gestärkt geht’s los – die Rückbank ist mein Reich. Ich sitze entspannt hinterm Fahrer lege mein Schätzchen hoch, strecke mein Bein aus und guck… Immernoch gute 40cm Luft bis zur anderen Tür – geile Karre! Wir freuen uns auf den Weg und weil die erste Strecke zum nächsten Hotel relativ knapp bemessen ist, entschließen wir kurzer Hand bei den Muir Woods halt zu machen und nach 3 Tagen Stadt etwas Natur zu tanken. Das Naturschutzgebiet ist fantastisch, die Bäume riesig und den Duft ziehe ich in jedes einzelne Lungenbläßchen. Dort muss nach 3 Tagen “San Francisco Weed Duft” dringend was anderes hin. Beide Lungenflügelchen empfangen den frischen Gast mit offenen Armen und ich atme so tief ein, dass mir fast schwindelig wird. Nebenbei lerne ich dass die Bäume dort nur so hoch wegen einer Schneckenart wachsen können – die Banana-slug. Ich habe nicht ganz verstanden was die Schnecke so macht, da ich dank Appetit auf eine Banane vom Zuhören abgelenkt wurde. Ich vermute aber dass es etwas mit Endprodukten zu tun hat. Spätestens als ich die Banana-Slug gegoogelt hatte, wollte ich es nicht mehr wissen – Widerling beschreibt das Vieh geradeso im Ansatz… Egal, nach unserem kleinen Rundgang meldet sich mein Knie wieder – selbst mit Bandage und kühl Pads. Es streikt und ich schreibe den Half Dome für mich ab. Plan B wird als Notfallplan entwickelt und ich fühle mich nicht wohl dabei – erst Alcatraz; jetzt noch der Half Dome; was bitte als nächstes? Auch wenn ich weiß dass der Yosemite auch ohne den Dome wunderbar werden wird – die Spitze war ein Highlight der Tour, wenn nicht sogar DAS Abenteuer für mich – es wurmt mich extrem… Nunja, erst morgen ist Yosemite Tag, vielleicht kommt noch das Wunder. Aufgeben werde ich erst wenn’s wirklich nicht geht.
Ich lenke mich ab, die Landschaft ist trocken, karg, etwas hügelig. Die Highways nach Mariposa sind breit, voll und gern auch mal verstopft. Chris erklärt uns, das einige Spuren der Highways nur für Fahrgemeinschaften mit 3+ Insassen vorbehalten sind und manchmal auch Spuren mit Maut die reichen Kalifornier bevorzugt behandelt, weil diese dann über die freien Spuren im Affenzahn an unserem Stau vorbei sausen. Interessante Methode – i like!
Je weiter wir nach Mariposa in Landesinnere vor dringen, desto höher klettert der Fahrenheitzähler. In Frisco entspannte 70-75 Fahrenheit also so um die 22 Grad, zeigt uns das Auto nun zwei Stunden später geschmeidige 99Grad Fahrenheit an – 37 Grad Celsius. Das Party-Raumschiff ist aber guter Dinge, dreht die Musik auf und zeigt den Amis im Stopp and Go auf dem Highway, wie Europäische Feste gefeiert werden – nämlich dann und da wo sie fallen
vielleicht isses auch nur der Weed-Geruch der uns selbst mitten auf der Autobahn, aus heiterem Himmel um die Nase gepustet wird und unsere Sinne vernebelt. Was für ein Land ![]()
Gefühlte 10 Staus später erreichen wir dann in vollkommener Dunkelheit unser Hotel. Es ist inzwischen 22 Uhr. Als wir von den Muir Woods los sind, sagte das Navi eine Ankunft so gegen 18 Uhr voraus…Ja, war ne tolle Fahrt! Wir gehen zur Rezeption um einzuchecken. Erst niemand da, kann kam ein… eine Gestalt daher geschlürft. Falten im Gesicht, tiefer als der Grand Canyon, fettige Haare und die beiden Zähne die ich gesehen habe, waren vermutlich auch sein einziger Elfenbein stolz. “We rented a room here!” sagte ich, zeigte meinen Hotelgutschein und wollte eigentlich freiwillig die Nacht im Party-Raumschiff schlafen. “Ti.. no.. Min..Sinn!” – “Sorry, what please?!” – “Tis.. no.. Ners Inn!” – “????” – “Look at Door. Tis.. No… Miner Inn!” Gott gibt es doch! Wir checken plötzlich dass wir den ganzen Tag das falsche Hotel angepeilt haben und im Yosemite Inn waren, aber zum Miner’s Inn mussten! Stoßgebet nach oben, 100 Luftküsse hinterher geschickt, Koffer ins Raumschiff gebeamt und Vollgas! Puuuuh! Das Miner’s Inn war circa 1 Fußminute entfernt. Also keine große Fahrt mehr, fix eingecheckt, die Jungs sind noch schnell futtern gefahren – “6 inch, Chicken rosted, Italian Style with Cheddar Cheese!” Ein Sub geht immer! Kein Scherz, auch abends um halb elf, ist ja Salat drauf und Hühnchen ![]()
Krasser Tag! Das Hotel Zimmer is cool. Riesengroß, prima Klima an der Wand, Kamin, Kochnische und im Bad ein Whirlpool – jup jup, Whirlpool! Wer hat, der kann ![]()
Erkenntnis des Tages: wenn alle Stricke reißen, oder Dir auch noch so große Steine in den Weg gelegt werden… Stell dich drauf (auch mit Kniebandage), genieß die höhere Aussicht und dann geh einfach weiter gerade aus. Ja gut, im Zweifel darfst auch humpeln ![]()
Jetzt geh ich pennen! Gute Nacht ![]()